An Ort und Stelle angelangt, fanden wir ein prächtiges schwarzes Zelt mit Teppichen für uns hergerichtet, und in der luftigen Wohnung des Häuptlings wurden wir feierlich empfangen, mußten auf dem Ehrenplatz niedersitzen und uns von mindestens hundert seiner Stammesgenossen anstaunen lassen, der Frauen und Kinder nicht zu gedenken, die von draußen hereinsahen. Der Zweck der Einladung war hauptsächlich ein Geschäft, das der Araber mit dem Herzog machen wollte; er hatte einen weißen Hengst zu verkaufen, der uns als Ersatz für die gehabten Verluste sehr willkommen erschien.
Das Tier wurde vorgeführt und war prächtig anzusehen: ein herrlich gerundeter Hals, sprühende schwarze Augen, eine zarte Nase mit schnaubenden Nüstern — ganz das Urbild des feurigen Arabers, eine Freude für jeden Pferdekenner, und der Hengst selbst schien sich seines verführerischen Reizes vollkommen bewußt, so elastisch-kokett tänzelte er daher und schien den Boden kaum mit den Hufen zu berühren. Warum mochte nur der Besitzer sich von solch einem Prachtpferd trennen wollen? Dieses Übermaß von Liebenswürdigkeit gegen uns Fremde schien verdächtig.
Der Herzog bat also den Mann, aufzusitzen und in Schritt, Trab und Galopp die Künste des Tieres zu zeigen. Dazu zeigte unser freundlicher Wirt aber keine Lust, und auch seine Stammesbrüder drückten sich einer nach dem andern mit Redensarten beiseite. Nach langem Hin und Her fand sich endlich ein junger Kerl für ein Trinkgeld zu einem Versuch bereit. Aber kaum saß er auf, als der Hengst ihn auch schon zu Boden geschleudert hatte, und mehreren andern, die der Backschisch reizte, erging es nicht besser ... Nun wagte sich einer unserer Perser heran, und er schien die Kunst zu verstehen, diesen Bucephalus zu zähmen. Zur höchsten Verwunderung der Araber trabte er auf dem widerspenstigen Gaul in eleganten Kurven zwischen den Zelten kreuz und quer umher und kehrte dann im Galopp zu uns zurück. Aber in diesem Augenblick stand das Pferd ganz plötzlich, stemmte die Vorderbeine in die Erde, senkte den Kopf und warf seinen Reiter in großem Bogen mitten in die Zuschauer hinein. Soviel war nun sicher, daß sich das schöne Tier zu Karawanenfahrten nicht eignete, und aus dem Handel wurde infolgedessen nichts.
Zu Besuch bei den Arabern von Nalaat-Schergat.
In der Mitte der Herzog.
⇒
GRÖSSERES BILD
Gleichwohl blieben wir den Tag über bei den Arabern. Als wir am Abend im Mondschein vor unserm Zelt saßen, ließ sich einer von ihnen bei uns nieder, um uns mit seiner Maultrommel zu unterhalten. Die Töne des einfachen Instruments erinnerten an die des Dudelsacks, aber die Kunstfertigkeit des Mannes war bewundernswert, und nicht weniger seine Ausdauer, er schien gar nicht Atem holen zu müssen. Von Melodie konnte man kaum reden. Melancholisch und einförmig, wie immer im Orient, quollen zwischen seinen glockenförmig gehaltenen Händen langgezogene, wimmernde Töne hervor, die ein träumerisches Behagen erweckten. Man hörte in dieser Musik die trippelnden Schritte der Schafe über die Steppe, den Hufschlag der Beduinenpferde, das traurige Flüstern des Windes im Grase und das rieselnde Rauschen des Tigris gegen eine Landspitze. Das ganze einförmige Leben der Araber in der Wüste, in der ein Tag verläuft wie der andere, schien in dieser Naturmusik lebendig zu werden.
Der edle arabische Hengst.
Die Töne der Maultrommel hatten zahlreiche Zuschauer angelockt. In dichten, dunkeln Gruppen ließen sie sich mit Anstand und Würde auf dem Boden nieder und hörten lautlos zu, höchstens flüsterten sie leise oder rauchten Zigaretten. Als dann aber der Musikant zum Tanz aufspielte, kam Leben in die Masse; etwa fünfzig Araber sprangen auf, faßten sich in einer langen Kette, aber immer eng aneinandergedrängt, an den Händen und begannen sich in einer bärenmäßig trottenden Gangart zu bewegen, erst einige Schritte nach rechts, dann nach links, ganz im Takt mit dem wimmernden Rhythmus der Flöte. Allmählich weitete sich der Kreis, die Schnelligkeit nahm zu und wurde immer stürmischer, wobei der Mondschein die hohen, dunkeln Gestalten, die flatternden braunen Burnusse und die weißen und bunten Kopftücher noch phantastischer erscheinen ließ als sonst.