Mosul zählt viele solcher vornehmen Häuser, deren Besitzer armenischer, syrischer oder chaldäischer Abstammung, Mohammedaner oder Christen, Kaufleute oder Priester sind. Es besitzt eine starke kaufmännische Aristokratie, deren Ansehen weit über das Weichbild der Stadt hinausreicht. Solch ein Hof mit seinem kostbaren Marmorschmuck zeugt von erworbenem oder ererbtem Reichtum, der sich im Takt mit den lautlosen Schritten der Kamele auf den weiten Wanderungen der Karawanen vermehrt, wenn nicht die Wüstenschiffe durch Zyklone Schiffbruch leiden oder arabische Piraten mit den Ballen Baumwolle, gepreßter Datteln, bunter Stoffe, Kolonialwaren und europäischen Krams in der Tiefe der Wüste verschwinden. Auch der Handel Mosuls war durch den Krieg fast völlig lahmgelegt. Aus Indien und Basra kam gar nichts; die persischen und kaukasischen Handelsstraßen waren gesperrt, und die Anatolische Eisenbahn fast ausschließlich mit Militärtransporten belegt. Doch wartete man mit echt orientalischer, fatalistischer Ruhe der kommenden besseren Zeiten.

Hadschi Mansur, 65jähriger Chaldäer.

Straße in Mosul.


GRÖSSERES BILD

Solch ein schattiger Hof wirkt gegenüber den backstubenheißen Straßen wie eine Oase in der Wüste. Hin und wieder besprengt ein Sakka das Steinpflaster mit Wasser. Nur eines vermißt man: nie dringt ein Luftzug hier hinein; nur wenn Stürme über das Land ziehen, stürzen die Wirbelwinde wie Wasserfälle von den Dächern herab auf das Laub der Maulbeerbäume. Im übrigen aber entspricht ja diese Bauart, wie schon im alten Assyrien und Babylonien, vollkommen dem durch das Klima bedingten Bedürfnis. Unsere europäischen Häuser mit ihren nach Luft und Licht verlangenden Fenstern auf allen Seiten würden in Mosul unerträgliche Steinkamine sein. Auch die Häuser der Armen haben dieselbe Bauart; nur fehlt natürlich der Marmorschmuck; oft sind sie aus unbehauenem Stein oder nur aus an der Sonne getrocknetem Lehm.

Dem kunstverständigen Auge, das auf diesen Höfen der zahlreichen vornehmen Häuser an malerischen Motiven reiche Ausbeute findet, mag Mosul leicht als eine Perle unter den Städten des Orients erscheinen. Das Panorama von einem hohen Dache aus enttäuscht aber stark. Man sieht nichts als graue, fensterlose Mauern, flache Hausdächer mit Brustwehren in verschiedener Höhe, runde Minarette mit einem oder mehreren Rundgängen für die Gebetsrufer, und hier und da die viereckigen Türme und flachen Kuppeln der christlichen Kirchen und Klöster.

Toros, 60jähriger armenischer Karawanenfuhrer aus Erserum.