Monseigneur Chajat.

Von den Kirchen Mosuls soll die ältere chaldäische aus dem 7. Jahrhundert stammen. Unmittelbar neben ihr liegt die jetzige chaldäische Kathedrale, die im 14. Jahrhundert erbaut und 1810 und 1896 erneuert wurde. Es war gerade Vespergottesdienst, als wir sie in Begleitung mehrerer Priester besuchten, und der Gesang der Chorknaben erfüllte die niedrigen Wölbungen des Kirchenschiffs, das vom Altar durch einen Vorhang getrennt war. Die Wölbungen ruhen auf acht Säulen; Kapitäle und das sie verbindende Gebälk sind mit Bibelsprüchen bedeckt, der Boden mit Teppichen belegt. An die Kathedrale schließt sich das Seminar mit einem geräumigen Hof. Ein Gang und eine Treppe führen in eine Krypta, eine andere Treppe auf einen kleinen Hof, an dem ein Zimmer gezeigt wird, das Feldmarschall von Moltke 1837 bewohnt haben soll. Ein dritter Hof umschließt eine Begräbnisstätte der Chaldäer. Sonntag, den 18. Juni, waren der Herzog und wir andern frühmorgens ½6 Uhr zu einer feierlichen Messe in der Kathedrale eingeladen. Der Vorhang vor dem Chor war nun aufgezogen, der Altar strahlte im Kerzenlicht, und Knaben- und Männerchöre sangen oder vielmehr schrien Psalmen und Lieder. Der Patriarch, ein ehrwürdiger Greis mit langem, weißem Haar und freundlichen Augen hinter runden Brillengläsern, zelebrierte selbst und murmelte mit dumpfer Stimme uns unverständliche Worte aus goldbeschlagenen Büchern. Die Morgensonne flutete durch die Fenster herein auf die dichte Menge der Andächtigen, und die Festkleider der chaldäischen Frauen leuchteten in allen Farben.

Erntetanz.

Am zweiten Sonntag lud mich der Chorbischof der syrischen Kirche, Monseigneur Chajat, Fondateur de l’Institut Pius X. à Mosoul, zu einer höchst originellen Tanzvorstellung kurdischer Landleute, die zur Erntearbeit nach Mosul zu kommen pflegen. Die Männer trugen Turbane, Westen, Leibgürtel und lange Hosen, die Frauen leichte Kopftücher, Mieder oder Jäckchen und bunte Röcke. Vier Musikanten spielten auf; ihre Instrumente waren ein Kanun, ein zitherartiges Saitenspiel, das man aus den Knien hält, ein Oud oder eine Gitarre, ein Dumbug oder eine Trommel und ein Tamburin mit rasselnden Tellerchen an der Seite, genannt Daff (vgl. das Bild [S. 348]).

Der erste Teil des Erntetanzes: Die Sicheln werden geschliffen.


GRÖSSERES BILD

In raschem Tempo.