In der Bibel wird Ninive noch an andern Stellen erwähnt. Schon das 1. Buch Moses berichtet, daß Nimrud von Babel nach Assyrien zog und Ninive baute. Zum Propheten Jona geschah das Wort des Herrn: „Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige wider sie, denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich.“ — „Da machte sich Jona auf und ging hin gen Ninive, wie der Herr gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß. Und da Jona anfing hineinzugehen eine Tagereise in die Stadt, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen. Da glaubten die Leute zu Ninive an Gott und ließen predigen, man sollte fasten, und zogen Säcke an, beide groß und klein.“ — „Da aber Gott sah ihre Werke, daß sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er geredet hatte ihnen zu tun, und er tat es nicht.“ — Er sagte: „Mich sollte nicht jammern Ninive, solcher großen Stadt, in welcher sind mehr denn 120000 Menschen, die nicht wissen Unterschied, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?“

Eine Frau trägt Wasser aus dem Tigris nach Hause.

Als Tobit den Tod herannahen fühlte, sprach er zu seinem Sohn Tobias: „Siehe, mein Sohn, ich bin alt und bereit aus dem Leben zu scheiden. Nimm deine Söhne und begib dich nach Medien, mein Sohn. Denn ich glaube, Ninive wird zerstört werden, wie es der Prophet Jona gesagt hat.“ Darauf zog Tobias mit den Söhnen nach Ekbatana (Hamadan) in Medien, wo er in hohem Alter aus dem Leben schied. Und ehe er starb, erfuhr er den Untergang Ninives: es wurde von Nebukadnezar und Asverus erobert. So durfte er sich vor seinem Tode über Ninives Fall freuen.

Der jahrtausendelang berühmte Name ist auch dem Menschensohn über die Lippen gekommen. In einer Unterhaltung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte Jesus: „Ninives Männer werden im Gericht mit diesem Geschlecht auferstehen und es verdammen. Denn sie besserten sich nach Jonas’ Predigt, und siehe hier ist mehr als Jonas.“

Von der Vernichtung „der großen Stadt“ spricht schließlich der Prophet Zephanja in mächtigen Worten: Der Herr Zebaoth „wird seine Hände strecken gen Mitternacht und Assur umbringen. Ninive wird er öde machen, dürr wie eine Wüste, daß darin sich lagern werden allerlei Tiere bei Haufen, auch Rohrdommeln und Igel werden wohnen in ihren Säulenknäufen, und Vögel werden in den Fenstern singen, und auf der Schwelle wird Verwüstung sein, denn die Zedernbretter sollen abgerissen werden. Das ist die fröhliche Stadt, die so sicher wohnte und sprach in ihrem Herzen: Ich bins und keine mehr. Wie ist sie so wüst geworden, daß die Tiere darin wohnen! Und wer vorübergeht, pfeift sie an und klatscht mit der Hand über sie.“

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Schon im Jahre 1575 vermutete der deutsche Arzt Rauwolff, daß die Hügel gegenüber Mosul das alte Ninive einschlössen. Der Engländer James Rich, der den ersten Anlaß zu den später systematisch betriebenen Ausgrabungen in Mesopotamien gab, war von der Richtigkeit der Annahme Rauwolffs überzeugt und schickte von Ninive Ziegelsteine mit Keilschrift ins Britische Museum. Im Jahre 1842 legte der französische Konsul Botta den Palast in Chorsabad bloß, das die Residenz Sargons II., des Eroberers von Samaria, war, und 1847 machte der Engländer Henry Layard großartige Entdeckungen in Ninive und Nimrud, wo er unter anderm vier assyrische Paläste untersuchte. Seitdem ist die Entwicklung der Ausgrabungen zu Ninive ein Siegeszug der Wissenschaft geworden, an dem Engländer, Deutsche, Franzosen und Amerikaner mit gleichwertigen Erfolgen beteiligt sind.

In dem Dorf Kujundschik auf den Hügeln von Ninive fanden Layard und sein Gehilfe, der in Mosul geborene Hormuzd Rassam, in 22000 Tontafeln aus der Zeit Sardanapals (Assurbanipals), des letzten großen Königs von Assyrien (668–626), die älteste Bibliothek der Welt.

Jetzt besitzen die Museen Europas und Amerikas über 100000 solcher Tafeln — ein ungeheures Material, dessen Bearbeitung noch viele Jahre erfordert; 1909 war unter andern C. Bezold schon ein Jahrzehnt lang mit seiner Deutung beschäftigt. Die Franzosen entdeckten die herrlichen Statuen des Königs Gudea, und in Susa die berühmten Gesetze des Hammurabi. Amerikaner arbeiteten in Nuffar in Südbabylonien und fanden 1880–1900 Massen äußerst wertvoller Überreste aus dem 3. Jahrtausend, die Hilprecht geschildert hat.