Das erste Wasserschöpfwerk.
Schon am fünften Tag meiner Euphratfahrt, dann am 18. April kurz vor dem Dorfe Säbcha, war ich an den ersten, noch primitiven Schöpfwerken, Denkmälern einer tausendjährigen Tradition, vorübergekommen. Damit sich das Berieselungswasser über das Ufer verbreiten kann, muß es ziemlich hoch hinaufbefördert werden; dazu eignet sich nur ein Ufer, das sich etwa drei Meter über den Wasserspiegel erhebt und senkrecht ausgewaschen ist. Wo es fehlt, muß es künstlich geschaffen werden. Die Schöpfeinrichtung besteht aus einem kunstlosen Holzgerüst, in dessen Oberteil ein Seil über eine Rolle läuft. Nach dem Wasser zu hängt daran ein großer Ledersack; das innere Seilende wird von einem Zugtier — Ochse oder Pferd — oder durch Menschenkraft landeinwärts gezogen und so der Wassersack emporgewunden. Seine Öffnung ist durch ein Holzkreuz aufgespannt, damit er sich ordentlich füllen kann, und wenn er oben ankommt, ergießt er durch einen rüsselartigen, durch eine zweite Rolle und ein dünneres Seil regulierten Fortsatz seinen Inhalt in den Anfang des Bewässerungskanals, ein kleines, aus Weidenruten geflochtenes, mit Lehm gedichtetes Becken. Nach fünfzehn oder zwanzig Schritt kehrt das Zugtier um, der Sack sinkt durch seine Schwere wieder hinab und füllt sich aufs neue. So geht das den ganzen Tag. Häufig zwingt die Laune des Flusses dazu, die Schöpfmaschine zu verlegen. Steigt der Strom und überschwemmt er die Ufer, so können Tiere und Menschen ruhen; die befruchtende Flut findet von selbst ihren Weg zu den Äckern, und die eigentlichen Bewässerungskanäle stehen dann wie schmale Hafendämme über der weiten Wasserfläche.
Das Wasser wird mit Hilfe von Ochsen oder Pferden gehoben.
Die knarrende Musik dieser Wasserhebewerke hatte mich von Tag zu Tag begleitet, und ihre derben Holzgerüste glichen besonders bei Nacht den Skeletten vorweltlicher Tiere. Bald sah ich auch zwei, drei Säcke an jedem Holzgestell auf- und abwärts steigen; jeder Sack hatte sein Zugtier und seine menschliche Bedienung, und jede Rolle knirschte ihre eigene Melodie.
Im Bezirk Chreta sah ich das erste Paternosterwerk. Pferde mit verbundenen Augen drehen ein wagerechtes Rad; dessen Zähne greifen in ein senkrechtes Rad, über das die Kette mit den Wassereimern läuft. Solch eine Einrichtung heißt Näura oder Dolab, während die einfachere mit den Ledersäcken Dschird genannt wird. Nicht weit hinter Do-er stand mitten in der Strömung ein einsamer Pfeiler aus gebrannten Ziegeln. Sale behauptete, das sei der Rest eines alten Turmes; wahrscheinlicher aber war es das Überbleibsel eines der großen Wasserschöpfwerke, wie ich sie bald in vollem Betrieb zu sehen bekam.
Wasserschöpfwerk.
Am Morgen des 26. Aprils war der Fluß wieder um 20 Zentimeter gestiegen, und von den überschwemmten Weizenfeldern waren am Abend feuchte Nebel und Myriaden von Mücken aufgestiegen, so daß ich zum erstenmal mein Moskitonetz hatte gebrauchen müssen. Wir glitten in ruhiger Fahrt an der schroffen Bergwand Baghus vorüber und kamen dann an eine große, mit Gras und Gebüsch bewachsene Insel, die den Euphrat in zwei Arme teilte. Wir bogen links ein und sahen hier zum erstenmal die Wasserkraft selbst zum Heben des Wassers ausgenutzt. Eine Steinmauer war in den Fluß hineingebaut; ihre Spitze bildete ein großes Rad von etwa acht Meter Durchmesser. In der Peripherie des Rades hingen längliche Tontöpfe, die bei der Umdrehung das Wasser schöpften und in eine Rinne entleerten, die rechtwinklig von dem über den Kamm der Mauer laufenden Kanal ausging. Jetzt stand das Rad still, weil das Wasser über seine Achse gestiegen war; fließt es unter der Achse, dann dreht der Strom das Rad Tag und Nacht, und unermüdlich ergießen die Schöpfeimer ihren kostbaren Inhalt in die Kanalrinne, wenn auch immer etwas daneben fließt, sobald sich der Schöpfeimer bei der Umdrehung zu neigen beginnt. Das Rad ist aus rohem Treibholz zusammengezimmert, die Speichen sind krumm und schief, aber wenn es nur halbwegs rund ist, erfüllt es seine Aufgabe.