Ein Paternosterwerk unter einem Maulbeerbaum am Euphratufer.
Solcher Wasserschöpfwerke oder Dolabs sah ich auf meiner Weiterfahrt im Reich der Palmen eine Unzahl. Je nach ihrer Länge sind die Mauern durch Bogenwölbungen unterbrochen, damit sie dem ungeheuren Druck besonders bei Hochwasser standhalten und der Strom ungehindert hindurch kann. Ich zählte bis zu siebzehn solcher Mauerbogen und bis zu vier an kleineren Mauerarmen untergebrachten Rädern an einem Dolab. Mauern und Räder sind im Laufe der Zeit grünschwarz geworden von Flechten und Moosen. Oft sind sie auch nur noch Ruinen; der Strom hat die Räder, manchmal auch nur die Töpfe zerbrochen oder mit sich geführt, die Mauern zerstört, und nur einzelne Pfeiler halten sich noch inmitten der brausenden Strudel. Auf einem solchen einsamen, vor Raubtieren sichern Pfeiler nistete ein Storchenpaar. Am Anfang der Mauer am Ufer steht meist eine Palme oder mehrere wie eine Schildwache.
Wasserrad eines Dolabs im Gang.
Ein Dolab mit vier Rädern.
Sind mehrere Räder am selben Mauerrahmen im Gang, so entsteht ein fürchterliches Konzert wie von Ferkeln, Katzen und Hyänen. Aber den Fellachen ist dieser ohrenbetäubende Lärm die liebste Musik; da strömt Leben auf die Äcker, da gibt es üppige Weizenernten und Brot für die Familie, und sie legen ihr Worte unter und singen mit. Die Eingeborenen könnten mit verbundenen Augen eine Strecke den Fluß hinabfahren, die ihnen vertraute Musik der einzelnen Dolabs verriete ihnen, wo sie sich befänden. Wo die Schöpfwerke zerfallen sind, kann der Ackerbau am Ufer nicht gedeihen.
Die Dolabs werden möglichst bis in die stärkste Strömung hineingeführt und treten gern paarweise auf, gleichzeitig auf beiden Ufern. Das verschmälert die Fahrstraße oft bedeutend, steigert die Stromschnelle, die Geschwindigkeit der Räder und damit die Masse des hinaufbeförderten Wassers; man merkt deutlich, wie zwischen zwei solchen Mauerspitzen der Strudel zunimmt und der Euphrat in stärkeren Schlagwellen geht, und ich konnte noch von Glück sagen, daß wir bei der häufigen Unaufmerksamkeit Sales ohne ernstlichen Schiffbruch das Dorf Ana erreichten, das sich am Fuß der rechten Uferfelsen, von Palmen beschattet, unendlich lang ausdehnte. Es waren spannende Augenblicke, bis es Sale und den Ruderern endlich gelang, zwischen zwei Dolabs, die hier dicht hintereinander die Fahrstraße einengten, aus der reißenden Strömung herauszukommen und, ohne gegen die nächste Mauer getrieben zu werden, am Ufer zu landen.
Sale mit einem Ruder auf der „Kommandobrücke“. Links die Hütte mit dem Arbeitstisch.