Junge Türkin in Bagdad.
Mansurs Enkel Harun er-Raschid (der Gerechte) regierte dreiundzwanzig Jahre (786–809) und führte die Dynastie der Abbassiden auf die Höhe ihrer Macht. Das Reich blühte, doch mehr dank der weisen Regierung des Großvaters, als dem eigenen Verdienst des Enkels. Als er 803 die persische Familie der Barmekiden, deren Macht er fürchtete, hatte ermorden lassen, fühlte er sich in Bagdad nicht mehr sicher und verlegte seine Residenz nach Rakka am Euphrat. Gemeinsame Interessen in Spanien und dem babylonischen Reich brachten ihn mit Karl dem Großen in Verbindung. So drang sein Ruhm auch nach Europa. Noch heute strahlt sein Name in seltenem Glanz, denn er war ein Beschützer der Kunst und der Wissenschaft, und Sagen und Legenden, vor allem die Märchen aus Tausendundeiner Nacht sichern ihm die Unsterblichkeit.
Brücke über den Tigris.
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GRÖSSERES BILD
Harun er-Raschids Sohn Mamun mußte Babylonien zurückerobern, da es durch Bürgerkriege verloren gegangen war, und residierte seitdem wieder in Bagdad. Sein Nachfolger und Bruder Mutasim (833–842) aber scheute die Nähe der aufrührerischen Perser und gründete als neue Residenz Samarra, das wir später besuchen werden. Er war es, der zur Niederwerfung von Aufständen türkische Söldnerscharen warb, die von da an zu immer mächtigerem Einfluß gelangten. Erst der Kalif Mutadid kehrte 891 wieder nach Bagdad zurück, das dann bis zum Untergang des Kalifats die Hauptstadt blieb.
Der Verfall des mächtigen Kalifenreichs begann schon in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Am 17. Januar 1258 wurde Bagdad von den Mongolen unter Dschingis-Chans Enkel Hulagu erobert, geplündert und niedergebrannt, dann aber wieder aufgebaut und zum Sitz eines Statthalters erhoben. Die Gräber der Abbassiden hatte Hulagu zerstören lassen, und auch ein anderes kostbares Kleinod, der Mantel des Propheten Mohammed, ging in diesen Kämpfen verloren.
Nach mehr als halbtausendjährigem Bestand war so die Macht des Kalifats vernichtet, und Bagdad war und blieb seitdem eine Provinzstadt. Später wurde es Residenz der Il-chaner, die das Mongolenreich für den Großchan verwalteten. Im Jahre 1401 stand der furchtbare Timur-Lenk, Tamerlan, vor seinen Toren; er nahm die Stadt im Sturm, plünderte und vernichtete alles außer den Moscheen, ließ die Bevölkerung niedermetzeln und baute Siegespyramiden aus 90000 Menschenschädeln.
Dann folgte eine Zeit wechselnder Kämpfe zwischen Tataren und Türken. Im Jahre 1534 nahm Sultan Suleiman die Stadt ohne Schwertstreich. 1623 wurde sie vom Schah von Persien, Abbas dem Großen, zurückerobert. Erst nach mehreren erfolglosen Vorstößen setzten sich die Türken in Bagdad wieder fest; 1638 belagerte Sultan Murad IV. an der Spitze eines gewaltigen Heeres die Stadt und erstürmte sie trotz ungeheurer Verluste. Er ließ alle Perser töten und das Tor zumauern, durch das er als Sieger seinen Einzug gehalten hatte.