Nadjiba und Mina, 10jährige chaldäische Mädchen.

Die chaldäische Gemeinde zählt etwa 7000 Personen und zerfällt in zwei Parteien; die eine nennt sich nach Bagdad, die andere nach dem Dorf Tell-keif bei Mosul. Die Tell-keif-Partei hat der Bagdad-Partei Fehde angesagt und will sich der Herrschaft in der Gemeinde bemächtigen. Als der chaldäische Bischof auf seinem Recht bestand, verklagte sie den achtzigjährigen harmlosen Greis beim Patriarchen in Mosul, er wolle Bagdad der Machtsphäre des Patriarchen entziehen und ein unabhängiges Patriarchat gründen. Der Streit ging noch immer weiter, als wenn man an dem Weltkrieg noch nicht genug hätte! Wie überall im Orient gewinnt man wenig Achtung vor dem Christentum, das den Kindern dieses Landes geboten wird. Der Bischof wohnte in einem ganz unansehnlichen Hause. Dort sollten, wie man mir sagte, englische Offiziere vom Majorsgrad an aufwärts eine Freistatt während der ersten Tage ihrer Gefangenschaft finden. —

Der syrische Erzbischof von Bagdad.

Der syrische Erzbischof von Bagdad, Athanase Georges Dallal, ist ein vornehmer, würdiger Prälat. Sein Aussehen erinnert an die syrischen Könige auf den alten Reliefs: gerade, kräftige Nase und dichter, rabenschwarzer Bart. Er trägt einen dunklen Mantel mit Sammetkragen, den eine kleine Kette am Halse zusammenhält. An dieser hängt das Kreuz, das seine hohe Würde bezeichnet. Seine Kopfbedeckung gleicht einem umgekehrten Zylinderhut; die der griechischen Geistlichen ist ebenso, nur fehlt hier die obere Krempe. Er wohnt in einem sauberen Hause ortsüblichen Stils, dessen kleinen gepflasterten Hof offene Galerien umgeben. Die Zimmer sind groß, kühl und gut möbliert mit orientalischen Sofas und Teppichen, schönen Kronleuchtern und zahlreichen Porträts verstorbener Erzbischöfe.

Heskije, 60jähriger Rabbiner in Bagdad.


GRÖSSERES BILD

Mesko, 60jährige Chaldäerin aus Tell-keif.