Hochwürden hatten die Güte, mir selbst die Kirche der „Unbefleckten Empfängnis“ zu zeigen. Sie ist in halb arabischem Stil vor einundfünfzig Jahren erbaut und hat drei niedrige Wölbungen, die auf acht Säulen ruhen. Neben dem Hauptaltar im Chor steht zu beiden Seiten je ein kleinerer. Dazu kommen mehrere Gebetsnischen. Der schönste Besitz ist ein holzgeschnitztes Tor, eine Gabe aus Indien aus dem Jahre 1863. Das ganze Gebäude hat sehr unter Feuchtigkeit gelitten, besonders durch eine ungewöhnlich starke Überschwemmung vor achtzehn Jahren, und man will es jetzt einer gründlichen Ausbesserung unterwerfen, eine Arbeit, die wohl auf 15000 Franken zu stehen kommt. Der Grund ist aufgeweicht, die Säulen haben sich nach auswärts geneigt, und die Seitengewölbe zeigen breite Risse. Die Innenseiten der Mauern waren mit Alabasterplatten belegt, die dem übrigen weniger haltbaren Baumaterial einigermaßen Schutz boten. Aber auch der Alabaster verwittert, trotzdem er mit Ölfarbe gestrichen ist. Die alten Assyrier verstanden die Kunst des Bauens besser.

Auf dem Altar lag das alte Evangelium in arabischer Sprache, aber in syrischer Schrift, damit die ismaelitischen Araber es nicht lesen können — ein höchst merkwürdiger Grund. Als Verkehrssprache ist das Syrische fast verschwunden; nur in einigen Dörfern bei Mosul soll es sich noch erhalten haben.

Früher war der Erzbischof von Mosul auch Bischof von Bagdad. Vor sechzig Jahren aber wurde in Bagdad ein eigenes Erzbistum errichtet, das dem syrischen Patriarchen in Antiochia, dessen Residenz jedoch Beirut ist, untersteht. Dieser gebietet also den Erzbischöfen von Aleppo, Mosul, Damaskus und Bagdad, sowie denen von Homs und Hama, Diarbekr, Tripolis, Ägypten und Urfa. Die syrische katholische Kirche Bagdads zählt 250 Familien mit höchstens 2000, nach anderen Angaben 1250 Personen. In Amara besteht eine kleine syrische Gemeinde von 70 oder 75 Personen, und in Schar und Basra leben etwa 100 syrische Familien. Die unierte syrische Kirche zählt 60000 Anhänger, die nichtunierte 400000; von letzteren wohnt die eine Hälfte in der Türkei, die andere in Malabar in Indien. Vor fünfhundert und mehr Jahren hatte die syrische Kirche mehrere Millionen Anhänger.

Die jetzt ausgewiesenen französischen Karmeliterpatres in Bagdad haben eine Pfarrei mit Schule und Waisenhaus. Zu ihrer Gemeinde gehören auch zwanzig Dominikanerschwestern, von denen vierzehn Französinnen, die übrigen arabischer Abstammung sind. Auch in Amara, Basra und Mohammera haben die Karmeliter kleine Gemeinden und einige Schwestern. Das Irrenhaus in Amara wurde von ihnen errichtet. Die verschiedenen Orden haben den vorderen Orient unter sich verteilt. Den Karmelitern ist das ganze Gebiet zwischen Bagdad und dem Persischen Golf zugewiesen, während die Franziskaner ganz Palästina sowie Charput und Aleppo übernommen haben. In Mosul residieren die Dominikaner, in Urfa und Diarbekr die Kapuziner, in Damaskus die Lazaristen und in Beirut Jesuiten.

Das prächtige Haus der Karmeliterväter mit seinem kühlen Bogengang um einen gepflasterten, länglichen Hof herum haben die Türken in eine Schule umgewandelt. Als ich vor mehr als dreißig Jahren als frischgebackner Student dieses Haus besuchte, nahm mich ein alter, weißbärtiger Pater so freundlich auf, daß ich mich noch heute seiner lustigen Versuche erinnere, einige schwedische Sätze zu radebrechen. Diesmal wohnte ich in der Karmeliterkirche einem Hochamt bei, das mein Freund von der Euphratfahrt, der katholische Priester, vor deutschen Soldaten und Offizieren und syrischen Frauen und Mädchen hielt. Die leichten, von der Stirn bis auf die Füße reichenden, meist hellroten oder hellblauen Schleier, die schwarzen Augen, dunkeln Flechten und roten Lippen der Töchter des Orients boten einen prächtigen künstlerischen Gegensatz zu den braungebrannten feldgrauen deutschen Kriegern, die das in Kreuzform gebaute, von Orgeltönen durchbrauste Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllten.

Habuba, Chaldäerin aus Tell-keif.

Das Kloster der Dominikanerschwestern ist ein ungewöhnlich gediegen gebauter Komplex von Höfen, Säulengängen, Altanen, Terrassen und Veranden. Mitten auf einem der Höfe wächst eine herrliche Dattelpalme, umgeben von Maulbeerbäumen und anderen Gewächsen. Das Kloster wurde 1880 gegründet, während die Mission der Karmeliterväter in Bagdad schon ein paar hundert Jahre alt ist. Von den zwanzig Schwestern waren vier bereits vor dem Krieg „Soeurs de charité“ im bürgerlichen Krankenhaus, elf taten Dienst in Militärlazaretten, und fünf nahmen sich der Erziehungsanstalten des Klosters an, der „Ecole arabe“, der „Ecole professionelle“ und des Waisenhauses. Hier werden nur Mädchen unterrichtet; in der Gewerbeschule lernen sie nähen, klöppeln, sticken und weben. Einige der wenigen deutschen Damen in Bagdad lassen ihre Kleider bei ihnen machen; es war rührend, sie bei der Arbeit zu sehen. Vor dem Krieg lernten nicht weniger als fünfunddreißig junge arabische Damen in der Schule der Schwestern Klavierspielen. Vater- und mutterlose Mädchen, alle arm wie Kirchenmäuse, wohnen im Kloster, wo sie alles bekommen, was sie bedürfen. Zur Zeit waren es einundfünfzig, und die Einkünfte waren auf eine unbedeutende Summe herabgesunken. Einigen Verdienst brachte nur etwas Näharbeit für europäische Damen. Aber unter der Hut der Erzieherinnen wachsen und gedeihen sie, und die Schwestern tun, was sie können, um sie an rechtschaffene christliche Jünglinge zu verheiraten, die Gelegenheit gehabt haben, die Mädchen kennen zu lernen. Auch Verlobung und Hochzeit werden im Kloster gefeiert. Zuweilen aber kehrt auch das junge Paar nach einiger Zeit zurück, um Hilfe zu erbitten.

Phot.: Schölvinck.