Die goldenen Kuppeln und Minarette von Kasimen.


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Haupteingang zur Grabmoschee in Kasimen.


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Zu den Sehenswürdigkeiten Bagdads gehört auch die kleine Stadt Kasimen auf dem rechten Tigrisufer mit einer von den Schiiten sorgsam gepflegten Grabmoschee für Imam Musa-el-Kasim (gestorben 801 n. Chr.) und seinen Enkel. Der persische Pilgerverkehr dorthin ist so zahlreich, daß Midhat Pascha auf der zwischen üppigen Palmenhainen hinführenden Landstraße eine Pferdebahn anlegen ließ, deren zweistöckige, sehr abgenutzte Wagen gepfropft voll waren. Auch Kasimen hat seine Basare, Karawansereien und Kasernen. Die Grabmoschee selbst konnte ich aber nur von einem Dache aus sehen und durch das Eingangstor einen flüchtigen Blick in den Tempelhof werfen, dessen Innenfassade mit moderner Fayence farbenprächtig ausgelegt war. Auf dem Rückweg besuchte ich Sitte Sobeïd, ein Mausoleum, das Harun-er-Raschid seiner Lieblingsgemahlin Sobeïd errichtete. Das ursprüngliche Grabmal wurde im Jahre 1051 zerstört, und der jetzige Bau mit seinem pyramidenförmigen Turm zeigt zwar den Stil des 11. Jahrhunderts, ist aber kaum hundert Jahre alt. Zahlreiche neue Gräber mit einfachen Steinplatten umgeben ihn, und in seiner Nähe steht unter Palmen die kleine schöne Grabmoschee Scheik Ma’ruf-el-Kaschi.

Grabmoschee der Sobeïd.

Die Angaben über die Bevölkerungszahl Bagdads schwanken zwischen 120 und 300000. Europäer, die lange in Bagdad gewohnt, und fremde Besucher, die es nach allen Richtungen durchwandert und von hochgelegenen Aussichtspunkten aus sein Häusermeer betrachtet haben, sind der Überzeugung, daß die Zahl 120000 der Wirklichkeit am nächsten kommt. Einen brauchbaren Anhaltspunkt für die Berechnung ergibt der Verkehr in den Basaren der verschiedenen Städte; die von Damaskus z. B., das etwa 300000 Einwohner hat, sind viel weitläufiger und besuchter. Der syrische Erzbischof von Bagdad berechnet die Zahl der Bewohner auf 230000 : 150000 Mohammedaner in zweiunddreißig verschiedenen Sekten mit etwa hundert Moscheen, von denen nur ein Drittel Kuppel und Minarett hat, 60–80000 Juden, die fünfzig Synagogen haben und neun Zehntel des Handels beherrschen (nach europäischen Angaben höchstens 45000), 7000 Chaldäer, 2000 Syrier, je 4–500 armenisch-katholische und armenisch-orthodoxe, etliche römische Katholiken, und dazu die wenigen Kurden, die nur von Zeit zu Zeit die Stadt besuchen. Im Jahre 1900 berechnete Max von Oppenheim die Einwohnerzahl auf 200000, davon 150000 Mohammedaner (einschließlich 90000 Schiiten), 10000 Christen und 40000 Juden.