Von der Hauptstraße führen mehrere kleine Quergassen oder schmale Gänge zwischen den Häusern zum Tigrisufer hinab, wo Boote und Guffas ihre Landungsplätze haben. Dorthin wandern barfuß auch die Sakkas, die Wasserträger; in schwarzen, weichen, tropfenden Ziegenfellsäcken tragen sie Wasser in die Haushaltungen und zu den durstigen Wanderern in den Basaren, oder sie sprengen damit die trockenen Straßen. Der Sack hängt auf der rechten Seite, mit der rechten Hand halten sie ihn zu, während die linke eine kleine, bis zum Rand gefüllte Holzschale darreicht. Besondere Geschicklichkeit gehört dazu, den leeren Sack zu füllen; ein an doppeltem Riemen befestigter Ledereimer wird in den Fluß hinabgelassen, ohne daß der Mann sich bückt, dann mit einer eleganten Bewegung herausgehoben und in die offene Mündung des Sacks hinein entleert.

Sakka (Wasserträger).

Phot.: Schölvinck.


GRÖSSERES BILD

An einzelnen Stellen lassen Häuser oder Gärten einen schmalen Uferstreifen frei. Hierhin kommen die Wasserträger, die ihre großen Säcke aus Ochsenhaut paarweise von Eseln tragen lassen können. Hier füllen die Frauen ihre Krüge, waschen Kleider oder Kinder; die Schleier sind zurückgeschlagen, die weiten rockähnlichen Hosen bis übers Knie heraufgezogen, und barfuß gehts ein Stück in das seichte Wasser hinein. Dann lassen sie sich in Gruppen am Strande nieder, um zu schwatzen, und kehren schließlich in ihre Häuser zurück, anmutig ihre Krüge bald auf den Schultern, bald auf dem Kopf balancierend.

Knaben, Jünglinge und erwachsene Männer benutzen denselben Platz zum Baden. Schwimmen können sie alle, sie sind ja an dem gewaltigen Strom geboren, von ihm abhängig, mit ihm vertraut. Geschmeidig wie Katzen klettern sie am Kai hinauf, springen wieder ins Wasser, schwimmen umher, tauchen und ringen mit der Strömung, schreien und lachen. Es ist ein Summen wie im Bienenkorb, ein Spritzen und Plantschen, als zöge eine Schar Delphine vorüber. Ohne Gefahr ist solch ein Bad nicht; aus dem Persischen Golf gehen ab und zu Haifische tigrisaufwärts bis nach Bagdad, ja sogar bis Samarra.

Mariem, 15jähriges chaldäisches Mädchen aus Alkosch.