Bereits im zehnten Kapitel der Genesis begegnen uns die uralten Namen Babel und Ninive, Assyrien, Akkad und Sinear, von denen die beiden letzten die Landstriche zwischen dem untern Tigris und dem Euphrat bezeichnen. Dort steht von Nimrod, der anfing, „ein gewaltiger Herr zu sein auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn“, daß „der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Chalne im Lande Sinear. Von dem Lande ist darnach gekommen der Assur und baute Ninive ...“ Und im elften Kapitel wird der Turm zu Babel erwähnt, „des Spitze bis an den Himmel reicht“, und die Stadt, die den Namen Babel erhielt, weil „der Herr daselbst verwirret hatte aller Länder Sprache, und sie zerstreuet von dannen in alle Länder“.

In der Bibel ist Babel teils der Hauptsitz der das auserwählte Volk Gottes befehdenden Weltmacht, teils auch eine Geißel in Gottes Hand bei Bestrafung der ungehorsamen Israeliten. Die Verdammungsworte der Propheten donnern wie schwere Hammerschläge sowohl gegen Babel, wie gegen Juda. So sagt Jesaja: „Also soll Babel, das schönste unter den Königreichen, die herrliche Pracht der Chaldäer, umgekehret werden von Gott wie Sodom und Gomorra, daß man hinfort nicht mehr da wohne, noch jemand da bleibe für und für, daß auch die Araber keine Hütten daselbst machen, und die Hirten keine Hürden da aufschlagen, sondern Wüstentiere werden sich da lagern, und ihre Häuser voll Eulen sein; und Strauße werden da wohnen, und Feldmäuse werden da hüpfen, und wilde Hunde in ihren Palästen heulen und Schakale in den luftigen Schlössern. Und ihre Zeit wird bald kommen, und ihre Tage werden nicht säumen.“ Die aus der Knechtschaft Befreiten aber sollen über Babel singen: „Wie ists mit dem Dränger so gar aus, und der Zins hat ein Ende! ... Auch freuen sich die Tannen über dir und die Zedern auf dem Libanon und sagen: ‚Weil du liegst, kommt niemand herauf, der uns abhaue‘ ... Und ich will über sie kommen, spricht der Herr Zebaoth, und zu Babel ausrotten ihr Gedächtnis, ihre Übriggebliebenen, Kind und Kindeskind, spricht der Herr; und will Babel machen zum Erbe der Igel und zum Wassersumpf, und will sie mit einem Besen des Verderbens kehren, spricht der Herr Zebaoth ... Babel ist gefallen, sie ist gefallen und alle Bilder ihrer Götter sind zu Boden geschlagen.“

In seiner Weissagung gegen die Assyrer und seiner Erzählung von Sanheribs Fall sagt Jesaja: „Er soll nicht kommen in diese Stadt (Jerusalem) und soll auch keinen Pfeil dahin schießen und mit keinem Schild davor kommen und soll keinen Wall um sie schütten, sondern des Weges, den er gekommen ist, soll er wieder heimkehren ... Da brach der König von Assyrien, Sanherib auf, zog weg und kehrte wieder heim zu Ninive.“ — Als Merodach-Baladan, der König von Babel, an Hiskia Gesandte mit Briefen und Geschenken schickte, zeigte dieser ihm alle seine Schätze und Besitztümer. Da kam der Prophet Jesaja und fragte den König, woher die Männer kämen. Dieser antwortete: „Sie kommen von ferne zu mir, nämlich von Babel.“ Da sprach Jesaja: „Siehe, es kommt die Zeit, da alles, was in deinem Haus ist und was deine Väter gesammelt haben bis auf diesen Tag, wird gen Babel gebracht werden, daß nichts bleiben wird, spricht der Herr. Dazu werden sie deine Kinder, die von dir kommen werden und die du zeugen wirst, nehmen, daß sie müssen Kämmerer sein am Hofe des Königs zu Babel.“ — Und schließlich sagt Jesaja über die Erniedrigung des stolzen Babel: „Herunter, Jungfrau, du Tochter Babel, setze dich in den Staub! setze dich auf die Erde; denn die Tochter der Chaldäer hat keinen Stuhl mehr. Man wird dich nicht mehr nennen: ‚Du Zarte und Üppige‘ ... Setze dich in das Stille, gehe in die Finsternis, du Tochter der Chaldäer, denn du sollst nicht mehr heißen ‚Herrin über Königreiche‘.“

Die Mauermassen des Ischtartors.


GRÖSSERES BILD

Nach Sanheribs Zug geriet das Reich Juda in Verfall und wurde eine Beute des ägyptischen Königs. Als dieser, Pharao Necho, im Jahre 605 den Krieg gegen Nebukadnezar begann, wurde er bei Karkemisch (jetzt Dscherablus) aufs Haupt geschlagen, und das Schicksal der Juden verschlimmerte sich; sie wurden in die babylonische Gefangenschaft geführt. Davon spricht der Prophet Jeremias immer und immer wieder in derben, kraftvollen Worten, und davon singt der Psalmist in seinem wehmütigen Lied: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion dachten. Unsere Harfen hingen wir an die Weiden, die daselbst sind; denn dort hießen uns singen, die uns gefangen hielten, und in unserem Heulen fröhlich sein: Singt uns ein Lied von Zion. Wie sollten wir des Herrn Lied singen in fremden Landen? ... Du verstörte Tochter Babel, wohl dem, der dir vergilt, wie du es getan hast! Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und zerschmettert sie an dem Stein.“

Und Jeremias sagt zu den Weggeschleppten: „In das Land Zion, da sie von Herzen gern wieder hin wären, sollen sie nicht wieder kommen.“ — „Darum, so spricht der Herr Zebaoth, weil ihr denn meine Worte nicht hören wollt, siehe, so will ich ausschicken und kommen lassen alle Völker gegen Mitternacht, spricht der Herr, auch meinen Knecht Nebukadnezar, den König zu Babel, und will sie bringen über dies Land und über die, so darin wohnen, und über alle diese Völker, so umherliegen, und will sie verbannen und verstören und zum Spott und zur ewigen Wüste machen. Und will herausnehmen allen frohen Gesang, die Stimme der Mühle und das Licht der Lampe, daß dies ganze Land wüst und zerstöret liegen soll. Und sollen diese Völker dem Könige zu Babel dienen siebzig Jahre. Wenn aber die siebzig Jahre um sind, will ich den König zu Babel heimsuchen um dies Volk, spricht der Herr, um ihre Missetat, dazu das Land der Chaldäer, und will es zur ewigen Wüste machen. — Darum so gehorchet nicht euren Propheten, Weissagern, Traumdeutern, Tagewählern und Zauberern, die euch sagen: Ihr werdet nicht dienen müssen dem König zu Babel. Denn sie weissagen euch falsch, auf daß sie euch fern aus eurem Lande bringen und ich euch ausstoße und ihr umkommt.“

Jeremias ermahnt die Fortziehenden, sich des Weges zu erinnern, den sie gegangen sind: „Richte dir Denkmale auf, setze dir Zeichen und richte dein Herz auf die gebahnte Straße, darauf du gewandelt hast; kehre wieder, Jungfrau Israel, kehre dich wieder zu diesen deinen Städten ... Gedenket des Herrn im fernen Lande und lasset euch Jerusalem im Herzen sein!“

Die siebzig Jahre gingen zu Ende, 605–536. Da befahl König Cyrus von Persien den Gefangenen, heimzureisen und für das Haus des Herrn die Gefäße mitzunehmen, die Nebukadnezar aus der heiligen Stadt fortgeführt hatte. Sie wanderten in zerstreuten Haufen aus, ihr erster Führer war Serubbabel. Im siebenten Regierungsjahr Artasastas zog Esra von Babel nach Jerusalem, und mit ihm die Priester, Leviten, Sänger, Türhüter und Tempeldiener. —