Nur den Fundamentgrundriß des babylonischen Turms hat die Wissenschaft bisher feststellen können; er bildet ein Viereck von 90 Metern Seitenlänge, und von Südsüdosten führte eine mächtige Freitreppe zum ersten Absatz empor. Auch den Grundriß des Peribolus, der den Turm umgebenden Ringmauer mit ihren zahlreichen monumentalen Gebäuden, die jedenfalls als Priester- und Pilgerwohnungen dienten, hat man aufgedeckt. Wie der Turm selbst aussah, weiß man aber noch nicht. Die Schilderung Herodots ist unklar. Wahrscheinlich war er eine „Zikkurrat“, d. h. einer von den im alten Mesopotamien verbreiteten massigen Türmen, um deren Außenwand herum ein langsam ansteigender Weg zur Spitze hinaufführte. Professor Koldewey hofft, die Lösung des Rätsels bei Ausgrabung der am besten erhaltenen Zikkurrat von Borsippa oder Birs Nimrud zu finden, die 20 Kilometer südlich von Babylon liegt. —

Die Gegend östlich von Etemenanki führt den arabischen Namen Merkes, d. h. das Lager. Hier stand ein großer Teil der Bürgerhäuser Babylons. Die Grabungen ergaben, daß das Grundwasser jetzt höher steht als im Altertum. In der 2–3 Meter tiefen obersten Schicht finden sich spärliche Ruinen aus parthischer Zeit. Die darunterliegende, 4 Meter tiefe Schicht enthält Überreste aus der Glanzperiode der neubabylonischen Könige und reicht bis in die persische und griechische Zeit. Die Häuser lagen dicht zusammengedrängt an engen Straßen, denn die Bevölkerung war zahlreich. Die Mauern sind solid aus Lehmziegeln errichtet. Auch der Boden besteht aus Ziegeln, und Rundbrunnen sind allgemein. In der nächsttieferen Schicht finden sich nur wenige Wohnhäuser. In der darauffolgenden Kulturschicht, die Keilschrifttafeln aus der Zeit 1300–1400 v. Chr. barg, sind sie wieder häufiger. 1 Meter unter dem Nullpunkt enthält die unterste Schicht Urkunden der ersten babylonischen Könige (2250 v. Chr.), d. h. aus einer Zeit, auf die der Patriarch Abraham zurückblicken konnte, als er von Ur und Haran aus ins gelobte Land zog. Die Straßen der Stadt waren gerade, schnitten sich fast rechtwinklig und waren, im Gegensatz zur Prozessionsstraße, meist ungepflastert. Die kleineren Tempel lagen mitten in den Straßenlabyrinthen, wie das noch heute in den Städten des Orients üblich ist. Hier und da gab es auch offene Plätze und kleine Märkte.

Phot.: Koldewey.

Der Stadtteil Merkes umschließt auch viele Gräber aus den verschiedensten Zeiten. In den ältesten, tiefsten Kulturschichten, die Hammurabi und seinen Nachfolgern angehören, wurden die Leichen unmittelbar der Erde anvertraut, höchstens in Strohdecken gehüllt oder mit Ziegelsteinen umgeben. Sie lagen lang ausgestreckt und anscheinend dort, wo sie bei Lebzeiten ihre Wohnung hatten. Bis 3 Meter über dem Nullpunkt fanden sich Gräber, deren Leichname in hockender Stellung in lange, topfähnliche Gefäße mit rundem Deckel eingeschlossen waren. In der nächsten Schicht folgen kurze und hohe, ebenfalls mit Deckeln versehene Lehmsärge aus der Zeit Nebukadnezars und seiner nächsten Vorgänger; hier sind die Leichname so stark zusammengedrückt und gekrümmt, daß die Kniee bis an das Kinn hinaufreichen. Die 4–7 Meter über Null liegende Schicht enthält trogförmige Särge, die auch zu kurz sind, um die Toten ausstrecken zu können. Die oberste Schicht zeigt griechisch-parthische Gräber mit Ziegelsarkophagen, in denen die Toten in Holzsärgen lagen. Gewöhnlich gab man den Verstorbenen Schmuck mit ins Grab, selten Waffen.

Phot.: Schölvinck.

Weiter nach Süden führen uns die Hügel von Amran zu einem gewaltigen Schacht, dessen senkrechte Lehmwände noch die rundlichen Spateneindrücke zeigen. Hier wurden Gräber bloßgelegt, in denen teilweise noch Skelette liegen. Auf einem dieser Hügel erhob sich der Marduktempel Esagila. Die Zella an der Nordseite seines Hofes ist wahrscheinlich die, in der die Generale Alexanders den Gott Ea, der in griechischer Zeit mit Serapis identifiziert wurde, um Rat fragten, ob sich der König zu seiner Genesung hierher tragen lassen solle.

In unmittelbarer Nähe dieses Tempels begann die Euphratbrücke, von der sieben aus Ziegel gebaute Strompfeiler ausgegraben sind. Nach den Angaben Herodots, Diodors und anderer Historiker soll die Brücke ans Hausteinen gebaut gewesen sein; jedenfalls ist sie die älteste bekannte Steinbrücke der Erde.

Östlich von Amran liegt der Tempel eines unbekannten Gottes, und noch weiter östlich der Ninibtempel Epatutila, bei dem zahlreiche Terrakottabilder, männliche Figuren, Reiter auf Pferden und anderes, gefunden wurden.