»Natürlich, das paßt ausgezeichnet.« Und dann geleitet mich der Hauptmann nach einem in der Nähe gelegenen belgischen Restaurant, in dem ein paar muntere, gesprächige Frauen ein erstklassiges Frühstück auftischen. Währenddem berichtet der Hauptmann, daß man immerhin noch nicht ganz sicher vor Franktireurs sei. Vor einigen Tagen war ein Büchsenschuß auf das Stationsgebäude in Jemelle abgefeuert worden. Man hatte den Schützen ergriffen und vor das Kriegsgericht gestellt; wie es ihm ergangen war, wußte man noch nicht. In der Gegend von Houyet hatte vor kurzem eine Bande Zivilisten einige Deutsche überfallen, und eine Strafexpedition von hundertunddreißig Mann war gegen sie ausgesandt worden.
Die Abfahrtsstunde schlägt, und der Zug fährt durch hügeliges Land mit wohlhabenden Dörfern und auf den Wiesen weidenden Herden. An den Krieg erinnert nichts als die Landsturmleute, die an der Bahn Wacht halten, die Eisenbahntruppen, die hier und da arbeiten, und die Militärzüge, die an den Stationen halten. Auch bei Marloie stand einer, und wir hielten unmittelbar neben ihm. In einem der Wagen saßen Schwestern vom Roten Kreuz, und der Zufall wollte es, daß mein Fenster gerade ihnen gegenüberlag. Einige Schwestern schlummerten, aneinander gelehnt, andere lasen, die übrigen strickten. Durch das geöffnete Fenster sah eine der Schwestern heraus. Sie sah lieblich aus in ihrer hellen Tracht mit dem roten Kreuz am Arm.
»Woher kommen Sie und wohin gehen Sie?« fragte ich.
»Wir sind von Berlin«, antwortete sie, »und sollen nach Sedan.«
»Aber in Sedan ist ja kaum noch ein Verwundeter, die meisten sind nach Deutschland gebracht worden.«
»Das haben wir gehört, aber es werden wohl bald neue von der Front kommen. Woher kommen Sie selber?«
»Aus der Gegend südlich von Sedan.«
»Sind Sie Deutscher?«
»Nein, Schwede.« Es war nicht zu umgehen, ich mußte mich der jungen Dame und ihren Mitschwestern vorstellen. Die Unterhaltung war bald im besten Gang, und wir waren halbwegs miteinander bekannt geworden, als mein Zug sachte weiterfuhr. Ich konnte ihnen bloß Glück zu ihrer menschenfreundlichen Arbeit wünschen und erhielt aus ihrem Fenster freundliche Abschiedswinke. Damit war diese kleine Idylle zu Ende.
Auf der Strecke zwischen Aye und Hogne machten einige Leute der Kasseler Eisenbahntruppen Zeichen, daß sie aufsteigen wollten. Der Zug fuhr langsamer, sie sprangen auf das Trittbrett und fuhren mit Gepäck und Gewehren mit.