Nach Osten hin erscheint keine eigentliche Fortsetzung des Kurruk-tag, sondern nur ein isolierter Bergstock. Ich hatte allen Grund, die gewaltige Bergkette, die in dieser Richtung auf unseren Karten des innersten Asien angegeben ist, schon jetzt als apokryph zu betrachten.

Die Wüste ist gänzlich unfruchtbar, nicht einmal dürres Holz kommt vor. Schnecken liegen hier und dort, aber nirgends so zahlreich wie weiter westlich.

Während des Marsches am 28. veränderte sich das Aussehen des Seebeckens. Schnecken wurden immer zahlreicher, und toter Wald trat wieder ziemlich häufig auf. In den Tonablagerungen sind noch zwei Stockwerke zu unterscheiden. Sie lassen verschiedene Perioden und den verschiedenen Wasserstand in dem früheren See erkennen und enthalten auch Schneckenschalen. In dem Maße, wie der Wind an dem Tone frißt und zehrt, fallen die Schnecken heraus, und der Boden ist oft ganz weißpunktiert von ihnen. Eine dünne Sandschicht, selten einen Fuß dick, bedeckt stellenweise den Boden. Eine kleine eiserne Tasse wurde gefunden, und Scherben von Tongefäßen sind so häufig, daß wir ihnen gar keine Aufmerksamkeit mehr schenken. Darüber steht toter Wald in einem Gürtel, den man deutlich nach beiden Seiten verfolgen kann und der eine wichtige, lange bestehende Uferlinie des Lop-nor bezeichnet.

So schritten wir zwischen den Tonrücken hin, während das Wasser in beunruhigender Weise aus den Eistagaren tropfte. Es war erst 3 Uhr, als Tschernoff und Ördek, die zu Fuß vorausgingen, um den besten Weg auszusuchen, stehenblieben und uns zu sich riefen. Sie hatten die Ruinen einiger Häuser gefunden!

Die Rinne, der wir gefolgt waren, hatte uns gerade zu dieser merkwürdigen Entdeckung hingeführt; wären wir einige hundert Meter westlicher oder östlicher in die Wüste hineingezogen, so hätten wir die Ruinen nicht sehen können, um so mehr als sie dem gewöhnlichen toten Walde so sehr glichen, daß man dicht davor stehen mußte, um zu erkennen, was es war: menschliche Wohnungen am Nordufer des Lop-nor!

Natürlich schlugen wir sofort das Lager auf und sahen uns den Platz erst flüchtig an, um einen allgemeinen Überblick zu gewinnen. Drei Häuser hatten hier gestanden, aber ihre mächtigen Balken und Pfosten, ihre Dächer und Bretterwände waren eingestürzt, arg von der Zeit und den Stürmen mitgenommen und teilweise im Sande begraben. Die Grundbalken hatten jedoch ihre Lage noch beibehalten, so daß ich leicht einen Grundriß der Häuser zeichnen und ihre Maße nehmen konnte.

Ein Umstand, der sogleich ein recht bedeutendes Alter angab, war, daß die Gebäude auf Tonsockeln ([Abb. 83]) standen, die 2½ Meter hohe Hügel bildeten, an Areal und Form gleich der unteren Fläche der Häuser. Ursprünglich waren diese auf ganz ebenem Boden erbaut gewesen, welcher aber, nachdem er ausgetrocknet, vom Winde so ausgehöhlt und abgefeilt worden war, daß nur die von den Häusern geschützten Teile stehenblieben. Scherben von Tongefäßen und kleine irdene Tassen, wie sie noch heute vor den Buddhabildern oder an anderen heiligen Orten hingestellt werden, lagen massenweise umher. Auch einige chinesische Münzen und ein paar eiserne Äxte wurden gefunden.

Bei dem östlichsten dieser drei Häuser fanden wir beim Graben verschiedene merkwürdige Holzschnitzereien, die zur Verzierung seiner Wände gedient hatten. Darunter war das Bild eines Königs mit einer Krone auf dem Kopfe und einem Dreizacke in der Hand, sowie ein Mann mit einem Kranze, außerdem allerlei Muster und Ornamente, Gitter und Lotosblumen, alles kunstfertig geschnitzt, aber sehr von der Zeit mitgenommen. Von den verschiedenen Mustern wurden Proben beiseite gelegt, die um jeden Preis mitgenommen werden mußten.

In Südosten erhob sich ein Tora, das wir besuchen mußten, um nachzusehen, ob auch dort Entdeckungen zu machen wären. Es war kuppelförmig und teilweise eingestürzt; wahrscheinlich war es ein Weg- oder Signalzeichen gewesen ([Abb. 84]). Drei andere ebensolche bildeten mit dem ersten dieselbe Figur wie die vier Hauptsterne im Sternbilde des Löwen; die Entfernungen zwischen ihnen betrugen 5–7½ Kilometer. Weitere Spuren von alten Häusern trafen wir nicht. Die Nacht hatte schon ihren dunkeln Schleier über die Wüste gebreitet, als wir nach dem großen Signalfeuer des Lagerplatzes zurückkehrten, müde und erschöpft von dreistündiger Wanderung auf ungünstigem Terrain, denn alle die unzähligen Jardang mußten unter rechten Winkeln gekreuzt werden.

Indessen hatten wir so durch eine glückliche Fügung die Fortsetzung des Kömur-salldi-joll gefunden, jenes alten Weges, der von Korla am Nordufer des Lop-nor entlang nach Sa-tscheo und Peking führte.