Als die Kamele mit ihren hohen Lasten und die Männer in farbigen Gewändern, von einer Menge Schaulustiger umgeben und von berittenen Lopleuten und Beken begleitet, durch Schilf und Unterholz fortzogen, boten sie ein schönes, farbenprächtiges Schauspiel. Doch in Tura-sallgan-ui war es, als sie fort waren, öde und leer geworden. Das Dorf lag verlassen, und sogar die Laterne war fort; auf dem Markte, wo es eben noch so lebhaft zugegangen war, spazierten jetzt nur noch ein paar Krähen umher. Die Ställe standen leer, die Kaufleute, die in unserer Nähe ihre Läden aufgeschlagen gehabt, hatten sich nach dankbareren Handelsplätzen begeben und nur aus der alten Küche der Muselmänner stieg noch der Rauch des letzten Feuers.
Die Hütten aber, in denen jetzt nur Skorpione und Spinnen hausen würden, sollten nicht niedergerissen werden; Chalmet Aksakal hatte erklärt, daß sie reisenden Kaufleuten von Nutzen sein könnten. Ein Jahr darauf wurde jedoch, wie schon erwähnt, die ganze Herrlichkeit durch die Frühlingsflut zerstört; die Hütten wurden dem Erdboden gleichgemacht, und selbst die Pappel ging den Weg alles Irdischen.
Der Klang der Kamelglocken war kaum verhallt, als Sirkin, Ördek und ich mit ein paar Ruderern in zwei Kähnen die Fähre, die für die Zukunft unser Lager bilden sollte, verließen. Wir eilten in sausender Fahrt flußabwärts und in den schmalen Kanal hinein, der nach dem Göllme-ketti (See des verlorenen Netzes) führte, wo Tiefenmessungen vorgenommen werden sollten. Merkwürdigerweise nahmen die Tiefen nach Süden zu, wo sie bis zu 7 Meter betrugen, also bedeutend mehr als gerade gegenüber im Flusse. Die größten Tiefen findet man im allgemeinen am östlichen Ufer, wo auch die Dünen steil nach dem See abfallen.
Während wir den Göllme-ketti hinabfuhren, nahm der Wind schnell an Heftigkeit zu und ging in einen halben Sturm über mit Dämmerung und Wolken von Staub und Sand, der wie Besen von allen Dünenkämmen aufwirbelte. Die Wellen schlugen in die Kähne, die bald hinter einem Vorsprunge an Land gezogen und leergeschöpft werden mußten.
Nachdem dies getan war, fuhren wir weiter; es wurde aber eine abenteuerliche Fahrt. Weit nach Süden hin erstreckte sich der See mit weißschimmernden, hellgrünen Wogen. Die Lage war insofern kritisch, als der See manchmal ziemlich flach war; wenn der Kahn an solchen Stellen den Sandboden streifte, konnte das Fahrzeug im Wogenschwalle kentern. Um eine solche Katastrophe zu vermeiden, mußten wir ziemlich weit vom Lande abhalten. Die Wellen schlugen über die niedrige Reling, und nach einer Weile saßen wir pudelnaß in einem erfrischenden Bade. Ich zitterte für das Skizzenbuch und die Instrumente, fand aber sonst die Lage höchst amüsant und spannend. Auf die Dauer wurde sie jedoch unhaltbar, denn die Kähne waren halb voll Wasser, und je tiefer sie lagen, desto leichter konnten die Wellen hineinströmen. Auf einmal sank Sirkins Boot und wurde von der Brandung hin und her geworfen, nachdem die Leute hinausgesprungen waren und ihre Sachen zu retten versucht hatten, was ihnen teilweise auch geglückt war. Wir sahen sie nachher ihr Fahrzeug ganz ruhig auf das Trockene ziehen, wo sie das Wasser aus ihren Kleidern wrangen. Wir anderen fuhren noch etwas weiter, bis auch unsere Lage höchst bedenklich wurde. Der Kahn wurde wie eine Nußschale von den Wellen hin und her geworfen. Noch hoben ihn jedoch die Kämme, und ich schöpfte, während die anderen ruderten, was das Zeug hielt; aber seine lange, schmale Form verursachte, daß jede Welle wenigstens mit ihrer Spitze hineinschlug und unter den Filzdecken, die meinen Sitzplatz bildeten, Spritzwasser zurückließ.
Der Atem stockt einem unwillkürlich, wenn eine gewaltige, weiß-schäumende Woge gegen die Seite des Kahns anstürmt; man glaubt, das leichte Fahrzeug müsse im nächsten Augenblick unfehlbar kentern oder vollständig von dem Schaumfalle unter Wasser gedrückt werden; es hält aber den Anprall noch aus und hebt sich wieder. Bald aber mußte es unfehlbar untergehen. Wir trieben daher den Vordersteven dem Lande zu, wobei die ganze Wassermasse auf das Achter drängte, und der Schiffbruch fand auf seichtem Wasser mit Sandboden statt, wo man an Land waten konnte, ohne mehr als bis zur Mitte naß zu werden, und so noch mit Mühe und Not alle Papiere zu retten vermochte.
Hier zogen wir uns nackt aus und breiteten unsere Anzüge und Sachen auf dem noch sonnendurchglühten Sande zum Trocknen aus. Die Leute benutzten die Gelegenheit zu einem Schläfchen, während ich auf besseres Wetter wartete. Da der Sturm sich aber nicht legte, wir keinen Proviant hatten und ich der Chronometer halber rechtzeitig wieder daheim sein mußte, mußten zwei Ruderer die Kähne am Lande entlang führen, während ich die Kartenarbeit zu Fuß fortsetzte.
117. Hauptquartier bei Mandarlik. (Blick talabwärts.) ([S. 299.])