118. Lager bei Mandarlik. Blick talabwärts. ([S. 299.])

119. Landschaft oberhalb von Mandarlik. ([S. 299.])

120. Hauptkamm des Tschimen-tag, oberhalb von Mandarlik gesehen. ([S. 300.])

Wenn auch die Tiefenmessungen auf dieser Exkursion mangelhaft gewesen waren, so hatte ich wenigstens die Überzeugung gewonnen, daß die Kähne bei starkem Wellenschlag geradezu lebensgefährlich sind. Es ist recht lustig, nach seinen eigenen „Seekarten“ zu manövrieren, aber auf dem Rückwege hatten wir wenig Nutzen von ihnen. Die Gegend verschwand in undurchdringlicher Finsternis. Die Männer schienen nach dem Gefühle zu rudern; sie müssen aber auch Katzenaugen gehabt haben, denn sie stießen nicht ein einziges Mal an. Schagdur, der Haus und Heim behütet hatte, zündete auf der Hafenspitze rechtzeitig ein Feuer an, und als wir an der Fähre anlegten, strahlte es aus den Kajüten so hell wie aus den Salons eines Flußdampfers.

Nachts stürmte es so heftig aus Südosten, daß die Fähre im Hafen schlingerte. Der Wasserstand stieg in den letzten Tagen um einige Zentimeter. Die Einwohner sagen, daß, wenn die große, durch das Auftauen des Eises verursachte Frühlingsflut vorbei sei, ein zweites, wenn auch unbedeutendes Hochwasser alljährlich beobachtet werde, und zwar gerade um die Zeit, wenn die Ölweidenblüten aufbrechen und die jungen Wildgänse selbständig zu werden beginnen. Wahrscheinlich hängt diese Erscheinung mit der Verteilung des Luftdruckes während dieser Jahreszeit zusammen. Uns war jeder Zuschuß zu der Wassermenge willkommen. Am 16. Mai hatten wir 73,4 Kubikmeter, oder 22 Kubikmeter weniger als am 7. Mai. So schnell fällt der Fluß, wenn die große Frühlingsflut vorbei ist.

Wir mußten uns sputen. Am 19. Mai befahl ich, die Anker zu lichten, nachdem die noch rückständigen Schulden und Belohnungen ausbezahlt worden waren. Die neuen Fährleute, Ak Käscha, Sadik, Tokta Ahun und Atta Kellgen, sahen angenehm und verständig aus und waren mit ihrer Ausrüstung und ihren Stangen bereit. Die englische Jolle manövrierte ein Loplik, das mit unserem großen Kahne zusammengebundene Segelboot nahm ein zweiter in seine Obhut, die kleine Lailiker Proviantfähre und unsere übrigen, jetzt überflüssigen Kähne wurden den Bewohnern von Jangi-köll geschenkt. Auf der großen Fähre war Ördek Kemi-baschi (Schiffskommandant), und vor dem Schreibtische hatte der alte Aksakal Pavan, der uns gern begleiten wollte, seinen Platz.

Die Frauen der Gegend hatten sich in unseren verlassenen Hütten versammelt, von wo aus sie uns zwischen dem Schilf hindurch begafften, und als die Fähre von der Strömung erfaßt wurde und mit flotter Fahrt flußabwärts trieb, begleitete uns am Ufer die männliche Bevölkerung, die sich jedoch nach und nach verlor, um nach Hause zurückzukehren.

Während der ganzen ersten Tagereise zog sich der Fluß unmittelbar längs hohen Sandes hin. Wir lagerten auf dem Westufer, der Mündung des Karunalik-köll gerade gegenüber. Das Programm der jetzt beginnenden Reise bestand darin, vom untersten Laufe des Tarim und möglichst vielen der an seinen Ufern liegenden Seen Karten aufzunehmen. Dies sollte die dritte Marschlinie in dieser Gegend werden. Nur bei Argan, Schirge-tschappgan und Abdall würde ich Punkte der beiden vorhergehenden Expeditionen berühren. Beunruhigende Gerüchte waren freilich in Jangi-köll in Umlauf gewesen. Man hatte gesagt, daß der Fluß sich immer mehr in neue, östliche Betten hinüberziehe und daß das Wasser kaum ausreiche, um die Fähre bis an das Ende des Flusses zu tragen. Wir waren jedoch entschlossen, die Fähre nicht eher zu verlassen, als bis jedes weitere Vordringen mit ihr wirklich unmöglich sein würde.