Jetzt begann der Himmel im Osten beunruhigend auszusehen, und das Tal füllte sich mit dichten Wolken. Über dem Dünengürtel wirbelten gelbe Sandwolken auf, und wir hielten es für das klügste, noch eine Weile zu warten. Der Sturm brach auch richtig los, und wir suchten uns vor dem Sturzregen dadurch zu schützen, daß wir uns gegen den Wind gedeckt zusammenkauerten. Der See ging hoch mit schäumenden Wogen, aber ich konnte, als der Regen aufgehört hatte, nicht der Versuchung widerstehen, das Segel loszumachen und das leichte Fahrzeug förmlich vom Ufer wegfliegen zu lassen. Jetzt hieß es aufpassen. Das ganze flache Tal war gleichsam eine Rinne für den Wind, der rücksichtslos über den See hinsauste. Dieser erstreckte sich vor uns, soweit der Blick reichte, und wir balancierten vorsichtig über die Wogenkämme, um nicht Wasser einzunehmen. Als der Wind stärker wurde und der Mast zu brechen drohte, mußte Kutschuk das Segel einziehen; dann trieben wir auch ohne dieses mit reißender Geschwindigkeit. Das Sondieren ließ sich nur bisweilen ausführen, denn die Fahrt war zu stark, aber die Geschwindigkeit konnte ich leicht messen und auch Kompaßpeilungen vornehmen.
138. Meine Jurte im Lager Nr. 35 (27. August 1900). Aussicht nach Norden. ([S. 341.])
139. Der Fischberg. ([S. 346.])
140. Der Fischberg vom See aus. ([S. 346.])
Als der Wind an Stärke abnahm, hatte der See schon angefangen sich zu verschmälern, so daß wir nicht mehr weit von dem Punkte entfernt zu sein schienen, wo er sein überschüssiges Wasser in einen Fluß entleert und es nach dem weiter westlich gelegenen großen Salzsee Ajag-kum-köll (unteren Sandsee) entsendet. Unser See wurde immer flacher, selten über einen Meter tief, und das naheliegende, langsam abfallende Südufer wurde von Schlammbänken fortgesetzt, über denen sich das Wasser bei den Ruderschlägen schwarz färbte. Enten und Gänse waren hier zahlreich. Letztere brüteten und konnten nicht weit fliegen, aber um so besser tauchen, was wir erfuhren, als wir versuchten, mit einer Schar um die Wette zu rudern und sie mit den Rudern anzugreifen.
Die Rückkehr von diesem herrlichen Ausfluge war tragikomisch. Wir ruderten aus Leibeskräften, aber der Wind erhob sich wieder, und nicht lange dauerte es, so fing es auch wieder an zu regnen. Wir wurden pudelnaß, wozu auch die dann und wann in das Boot schlagenden Wellen das Ihrige beitrugen. Endlich tauchten in der Ferne die Zelte auf, aber es dauerte noch ein paar Stunden, ehe wir sie erreichten. Ich hatte stets Pech mit den Seefahrten: sie konnten bei herrlichstem Wetter angetreten werden, endeten aber immer mit Sturm.