141. Blick vom See aus nach Westen auf den abziehenden Sturm. ([S. 347.])

142. Blick vom See aus nach Osten. ([S. 347.])

143. In Todesgefahr. ([S. 349.])

Arbeit habe ich von früh bis spät vollauf, freie Augenblicke sind selten. Muß man in diesem Lande, das so öde ist, wie man es vom Monde annimmt, auch viel Ungemach ertragen, so wird man dafür doch täglich durch Entdeckungen und Erfahrungen überreich belohnt. Es ist ein großer Reiz, zu wissen, daß man überall der erste ist, der über diese Berge wandert, wo es weder Wege gibt noch je gegeben hat und wo man vergeblich nach anderen Spuren als denen sucht, welche die gespaltenen Hufe der Yake und Antilopen und die runden der Kulane in den Boden eingedrückt haben. Das Gebiet ist herrenlos; Flüsse, Seen und Gebirge haben keine Namen, ihre Ufer und Schneefelder sind nie von den Blicken eines anderen Forschungsreisenden als den meinen betrachtet worden; sie bilden mein ephemeres Eigentum. Es ist erhebend und wonnig, seinen Weg über die gewaltigen Gebirge zu suchen, wie das Schiff seine spurlose Bahn durch die Dünungen des Weltmeeres zurücklegt; hier aber sind die Wellen, die über das tibetische Hochland hinrollen, in Stein verwandelt, und alle Entfernungen, alle Dimensionen sind in so gigantischem Maßstabe angelegt, daß ein Marsch von Wochen die Situation nicht verändert; wir befinden uns stets im Mittelpunkte einer Welt von Bergen. Ebenso wunderbar ist es, inmitten der Stürme, dieser Revolutionen des Luftkreises, zu leben, welche über die kahlen Berge jagen und das Gestein mit dem Feuer ihrer schnell einherrollenden himmlischen Batterien, mit ganzen Schauern schmetternder Hagelkörner beschießen.

Als ich in der Nacht hinaustrat, war der Himmel mit Wolken bedeckt, deren Ränder, vom Monde mit Silber umgossen, hier und dort hell glänzten. Nur das Gletschermassiv wurde nicht beschattet, und seine kalten Firnfelder wurden vom bleichen Lichte des Mondes beleuchtet. Meine Diener lagen in tiefem Schlafe, die Karawanentiere waren festgebunden, das Lagerfeuer verglomm, nur der Bach sang sein murmelndes, melancholisches Lied zwischen den Schieferscheiben in seinem Bette.

Still wacht die Nacht allein über der Wildnis; ringsumher breitet sich auf allen Seiten ein Chaos von unbeantworteten Fragen, von ungelösten Rätseln aus; fern im Süden ahnt man den Kamm des Himalaja und dahinter Indien mit seinen stickigen Dschungeln. Im fernen Westen verflechten sich unsere Berge mit dem Hochlande von Pamir, und wenn die Sonne bei uns aufgeht, hat sie schon ihr strahlendes Licht über das Reich der Mitte und die Gebirgsgegenden auf seiner westlichen Grenze ausgegossen. Im Norden, im innersten Asien, sind wir heimischer; aber hier in Tibet ist man einsam in einem unbekannten Lande. Vergebens späht man umher nach einem Feuer, nach der Spur eines Menschen; man hat einen unbewohnten und unbewohnbaren Teil der Erde erreicht, man hat das Gefühl, wie ein Staubkorn auf diesen unermeßlichen Flächen zu verschwinden, und glaubt zu spüren, wie der Planet mit schwindelnder Fahrt rastlos durch den Weltraum rollt.

Am 7. August zogen wir nach dem Lagerplatze Nr. 23, von Abdall an gerechnet. In der Hoffnung, einen meiner alten Seen zu finden, zogen wir in dem Längentale nach Westen. Jetzt war es mit Tscherdons Pferde zu Ende. Es wurde langsam von einem Manne geführt, fiel aber oft und konnte nur mit Mühe wieder aufstehen; dagegen war sein Appetit gut, und wir taten alles, um es zu retten. Tscherdon behandelte es auf mongolische Weise; er ließ es an den Ohrenzipfeln zur Ader und schnitt ihm ein paar drüsenähnliche Auswüchse aus den Bindehäuten der Augenlider fort, was ihm ein wenig zu helfen schien, denn es lief nun längere Strecken. Sobald wir einen Weideplatz erreichten, wollten wir Halt machen und ihm einen Ruhetag schenken. Ich wollte es töten lassen, doch da Turdu Bai glaubte, es sei noch zu retten, mußte Mollah Schah es uns nachführen.