152. Blick nach Süden von Aldats Begräbnisplatz. ([S. 364.])
153. Lager Nr. 60 in 5111 Meter Seehöhe. ([S. 366.])
Meine Jurte war so eng, daß Tscherdon erst mein Bett zurechtmachen und dann die Gitter über dem Bett aufschlagen mußte. Ich mußte wie in eine Hundehütte hineinkriechen; sobald ich aber erst drinnen war, hatte ich es gut und warm, und Jolldasch half noch wärmen.
Nachdem wir über Nacht es bei einer Temperatur von −5,2 Grad hatten aushalten müssen, erwachten wir am 31. August an einem wirklich herrlichen Sommertage ohne ein Wölkchen oder einen Windhauch. Der See lag wie ein Spiegel da. Ein Kulan kam heran und besah sich die Pferde so ungeniert, als wisse er ganz genau, daß Tscherdons Patronen schon lange zu Ende waren. Auf dem Südufer erhoben sich zwei blendendweiße Schneeberge ohne Spur von Wolkenkranz und spiegelten sich im See wider. Ein mehrstündiger Marsch am Ufer entlang führte uns nach dem Ende des Sees, aber dieser wurde nur durch eine mehrere hundert Meter breite Landenge von einem neuen getrennt, der sich weit nach Osten erstreckte und dessen nördlichem Ufer wir ebenfalls folgten.
Eine Strecke weit gingen wir oben auf den Uferfelsen zirka 70 Meter über der Wasserfläche, einen Kulanpfad benutzend, der so dicht am Rande entlangführte, daß einem beinahe unheimlich zumute wurde. In dem tiefen Wasser sahen wir einen Schwarm ziemlich großer, schwarzrückiger Fische, die besonders Kutschuks lebhaftes Interesse erregten. Wir lagerten in der Nähe, weil wir versuchen wollten, einige von ihnen zu fangen. Jolldaschs Halsband lieferte Material zu Angelhaken, die in der Glut des Lagerfeuers eine entsprechende Gestalt erhielten. Für den Fall, daß es in der Gegend Wildgänse oder Enten geben sollte, wurde aus einer Holzlatte ein Bogen fabriziert. Wir lebten ungefähr wie Robinson Crusoe und mußten uns mit der dürftigen Ausrüstung, die uns gerade zu Gebote stand, weiterhelfen.
Der Abend war kalt und windig, und die Aussichten auf den nächsten Tag waren wenig hoffnungsvoll. Meine Jurte stand fest wie ein Berg, und ich lag darin wie ein Begrabener, aber es war dort so eng, daß die Toilette mit gewissen Schwierigkeiten verbunden war. Am nächsten Morgen machte ich in aller Frühe einen Spaziergang nach den nächsten Hügeln in der Nachbarschaft und hatte von dort aus einen großartigen Überblick über dieses eigentümliche Gebiet, das reicher an Wasser als an Land ist. Der innerste Teil des Sees erstreckte sich keilförmig nach Nordosten. Er liegt 4848 Meter über dem Meere. Wir waren hier wieder in verhältnismäßig tiefere Gegenden gelangt, und doch befanden wir uns noch höher als der Gipfel des Montblanc!
Unterdessen wurde das Boot ins Wasser gebracht und ausgerüstet, und nun ruderten wir dicht an die senkrechten roten Sandsteinfelsen heran, unter denen die Fische standen. Die Karawane zog um den See herum weiter, um an seinem Südufer gegenüber einem Berggipfel zu lagern ([Abb. 139], [140]).
Das Boot wurde ganz nahe am Ufer verankert. Die Blöcke der Bergwände schienen oft nur an einem Haar zu hängen; es war, als drohten sie herabzustürzen und uns zu zerschmettern.