Während einer langen Strecke war das Feuer nicht sichtbar, unsere Hoffnung erlosch, und die Müdigkeit kam wieder. Vielleicht lagerten dort nur einige Goldgräber. Wir blieben stehen und riefen und sammelten Jappkakbüschel, mit denen wir ein gewaltiges Feuer anfachten. Doch kein Zeichen von Verständigung ließ sich wahrnehmen. Aus dem Revolver wurden ein paar Schüsse abgefeuert, die in der dunkeln Nacht klanglos verhallten, ohne auch nur von einem Echo beantwortet zu werden. Mit verhaltenem Atem lauschten wir; still wie ein Grab lag die Gegend, und das Feuer zeigte sich nicht mehr. Vielleicht waren sie von einem forcierten Ritt todmüde und schliefen fest.

Als wir unser eigenes Feuer, an dem wir eine halbe Stunde gerastet und uns für eine Weile erwärmt hatten, verließen, war die Dunkelheit vor uns noch undurchdringlicher als vorher. Ein Blinder kann keine schwärzere Nacht vor Augen haben, und unwillkürlich blickte ich zu den Sternen empor, um mich zu überzeugen, daß ich mein Augenlicht nicht verloren hatte. Stunde auf Stunde marschierten wir nach Osten weiter und zogen unsere müden Tiere, die Weide zu wittern schienen, da sie sich nicht weigerten, uns zu folgen.

Jetzt flammte das Feuer wieder auf, und die eben noch stumm einherwandernden Männer sprachen wieder eifrig miteinander. Wir passierten die ersten Malgunsträucher, deutliche Vorboten nahen Wassers; wir konnten nicht mehr weit von den Quellen entfernt sein. Dann wurde dieser falsche Feuerschein wieder matter und erlosch. Die Männer riefen alle fünf Minuten mit der ganzen Kraft ihrer Lungen, aber ihre Stimmen verhallten ungehört in der Nacht. Ich hätte mich versucht fühlen können zu glauben, ein Irrlicht wolle uns foppen, es schwebe vor uns her und entferne sich in dem Maße, wie wir uns näherten.

Unsere Geduld war auf eine zu starke Probe gesetzt worden, unser mit dem Feuer entflammtes Interesse erschlaffte wieder, als jenes erlosch, und die Müdigkeit erhielt von neuem die Oberhand. Als wir den nächsten Gürtel von Buschholz und Gestrüpp erreichten, kommandierte ich zu allgemeiner Zufriedenheit Halt. Wir waren über 12 Stunden gewandert, hatten aber dennoch nicht mehr als 43 Kilometer zurückgelegt.

Menschen und Tiere waren so erschöpft, daß die Karawane sich beim Scheine des in aller Eile angezündeten Feuers höchst kläglich ausnahm. Der Atem der Kamele bildete in der Kälte Wolkensäulen, die Leute saßen jeder da, wo er stehengeblieben war, auf der Erde, und die fehlgeschlagene Hoffnung ließ uns unsere Erschöpfung doppelt fühlen.

162. Der Kalta-alagan von Süden (Lager am 15. und 16. November). ([S. 384.])

163. Der Kalta-alagan von Süden (Lager am 15. und 16. November). ([S. 384.]) (Fortsetzung nach rechts des Bildes [Nr. 162].)

Doch auch eine erfreuliche Entdeckung wurde in dem Feuerscheine gemacht. Es stellte sich heraus, daß unser Glücksstern uns nach einem vorzüglichen Weideland mit gutem, hohem Gras und Brennholz in Hülle und Fülle geführt hatte. Eine Kanne Flußwasser war noch da, und es reichte zu einer Tasse für die Person. Tee und ein paar Stücke Kulanfleisch, die über dem Feuer geröstet wurden, waren alles, was wir noch besaßen. Das Lager wurde ganz provisorisch aufgeschlagen, da wir am folgenden Morgen auf jeden Fall früh aufstehen und die Quellen suchen wollten. Das trügerische Feuer ließ sich nicht wieder sehen, aber der Mond schien, und für den Fall, daß die Unsrigen sich in der Nähe befänden und in der Nacht weiterzureiten gedächten, unterhielten wir noch anderthalb Stunden lang ein großes Signalfeuer. Und dann fielen wir unter dem klaren, sternenfunkelnden Himmelsgewölbe in einen todähnlichen Schlaf. Wir befanden uns hier wieder auf einer Höhe von nur 3471 Meter.