Im Vorderschiff hat mein Freund Palta ([Abb. 25]) seinen Platz; mit nackten Beinen und bereitgehaltener Stange saß er da, beobachtete aufmerksam den Fluß und folgte genau der von Kasim im Avisoboot angegebenen Richtung. Gewöhnlich sang er in schwermütigen Rhythmen ein Lied von den Abenteuern eines Königs, interessierte sich aber, ebenso wie seine Kameraden, stets sehr für das Navigieren und das Leben an Bord.
In einer Linksbiegung berührten wir die Landstraße nach Maral-baschi und sahen von fern die Pappeln an dem Stationshause Meinet. Ein Mann saß auf einer Landspitze und erwartete uns, um Grüße von der Karawane auszurichten. Die Kosaken hatten ihn gebeten, uns einen Napf Milch zu bringen, den wir im Vorbeifahren auffingen; er muß aber lange auf uns gewartet haben, denn die Milch war schon sauer.
Bei Besch-köll (die fünf Seen) wurde eine Flußmessung vorgenommen. Das Bett war 86,4 Meter breit und hatte 2,22 Meter größte Tiefe, die Geschwindigkeit betrug 42,4 Meter in der Minute, und die Wassermenge belief sich auf 84,7 Kubikmeter in der Sekunde.
Am 19. September wurden neue Erfahrungen in der Flußschiffahrt gemacht. Von frühmorgens an wehte eine lebhafte, frische Nordwestbrise, und wir fanden bald, daß sie die Fahrt der Fähre nicht nur in hohem Grade hemmte, sondern sie an breiten Passagen mit langsamer Strömung und Gegenwind auch gänzlich zum Stillstehen brachte. Das Zelt und die schwarze Kajüte gaben einen Windfang ab, und die kleine Proviantfähre, der jeglicher Oberbau fehlte, hatte jetzt stärkere Fahrt.
Der Lauf des Flusses ging eine gute Weile nach Norden, und der Nordwestwind, der 3,71 Meter Geschwindigkeit in der Sekunde hatte, war uns hinderlich. Die Männer mußten unaufhörlich auf der Steuerbordseite stoßen und schieben, um einen Anprall an das rechte Ufer zu verhindern. Ein heftiger Windstoß entführte mein schönes Kartenblatt, das aber weit davon mit der Jolle wieder aufgefischt wurde; es war zu kostbar, um den Göttern des Flusses geopfert werden zu können.
13. Übergang über einen Kanalarm unterhalb Kaschgar. ([S. 23.])
14. In der Wüste zwischen Terem und Lailik. ([S. 23.])
Als wir später nach Osten und Südosten umbogen, hatten wir den Wind mit uns, und die Fähre ging 21 Meter schneller als die Strömung, die heute 38,4 Meter in der Minute betrug. Bei der nächsten Biegung nach Nordwesten war der Wind so heftig, daß wir halten mußten. Es ist klar, daß die Karte ein falsches Bild von dem Flusse geben würde, wenn man nicht stets den Einfluß des Windes auf den Gang der Fähre berücksichtigte. Doch dies ließ sich sehr leicht dadurch erreichen, daß während der Fahrt der Unterschied zwischen der Geschwindigkeit der Strömung und der des Schiffes gemessen wurde.