Schließlich erweiterte sich der Fluß, und man hat eine ausgedehnte Aussicht nach Nordosten, wo sich eine einsame hohe Düne, Karaul-dung (Wachthügel), erhebt. Vor sich hat man ein großes Haff oder seeartige Erweiterung des Flusses, der jedoch bald wieder schmal wird. Wir wählen einen Arm rechts herum, waren aber noch nicht weit gekommen, als wir uns auch schon oberhalb einer Stromschnelle mit nur 6 Zentimeter Wasser gehörig festfuhren.
Wir versuchten die Fähre zu schieben und zu schleppen, aber vergebens; sie stand wie auf dem Grunde festgesogen. Alles schwere Gepäck wurde an Land gebracht und Kisten und Proviant am Ufer aufgetürmt; dann schoben wir mit vereinten Kräften, doch nur, um die Fähre noch tiefer in den Lehm hineinzuschieben. Nun wurde der Bek beauftragt, aus dem in der Nähe liegenden Aksak-maral Leute herbeizuschaffen. Einige seiner Diener hatten uns den ganzen Tag am Ufer reitend begleitet, und der Bek konnte sich also zu Pferd schleunigst nach dem Dorfe begeben. Er kam nach ein paar Stunden mit 30 Leuten zurück, die aus allen Kräften zugriffen. Ich ging mit gutem Beispiel voran, und unsere Bemühungen waren von Erfolg gekrönt: die Fähre glitt ruckweise über die Stromschnellen, aber nur, um eine Strecke weiter unten wieder unverbesserlich festzusitzen.
Da standen wir nun wieder, und ich überlegte schon, ob dies der gefürchtete Punkt wäre, an dem wir von unserem Heim Abschied nehmen müßten. Was sollten wir dann anfangen? Die kleine Fähre reichte nicht entfernt für das Gepäck aus, und von der Karawane waren wir abgeschnitten. Es wäre uns wohl nichts weiter übriggeblieben, als eine neue Schiffswerft anzulegen, Schreiner und Schmiede aus Aksak-maral kommen zu lassen und eine neue, kleinere und leichtere Fähre zu bauen. Doch ich zitterte vor dem Zeitverluste, da ich wußte, daß das Wasser tagtäglich fiel, und der Gedanke, daß die stolze Tarimfahrt schon hier vielleicht unterbrochen werden müßte, schmerzte mich.
Nein! Wir mußten über diese seichten Stellen hinweg, wo es keine tieferen Stromfurchen gibt, wo das Wasser vielmehr über die ganze Breite auf seichtem Grunde brodelt. Wir drehten die Fähre ein paarmal im Kreise herum; hierdurch wurde der Tonboden so aufgelockert, daß wir weiterschieben konnten und endlich über die Schnellen hinauskamen.
15. Kurze Rast in der Wüste. ([S. 24.])
16. Das Zelt meiner Leute in Lailik. ([S. 26.])
17. Transport der Fähre nach dem rechten Flußufer. ([S. 27.])