18. Bau der schwarzen Kajüte. ([S. 28.])
Unterhalb dieser war es wenigstens so tief, daß die Fähre eine gute Strecke weit trieb, bis wir die letzten und größten Schnellen erreichten, deren Schwelle 20 Zentimeter hoch war und wo das Wasser einen geradlinigen Katarakt von Ufer zu Ufer bildete. Hier betrug die Tiefe überall wenigstens ½ Meter, und die Strömung war so reißend, daß die Männer ein Kentern der Fähre befürchteten. Der Sicherheit wegen wurde wieder das ganze Gepäck an Land getragen; ich blieb allein an Bord, um mit in den schäumenden Wasserfall hinunterzugehen, was die Leute für sehr bedenklich hielten, da sie glaubten, daß das Schiff in den kochenden Wirbeln unterhalb des Falles umschlagen würde. Sie zogen die Fähre bis an den Punkt, wo die Wassermasse sich über die Schwelle wälzte, und ließen sie los, nachdem sie ihr die rechte Richtung gegeben; sie glitt so artig wie nur möglich über die Schwelle. Als sie mitten darüber schwebte, fiel die vordere Hälfte klatschend auf das Wasser, während die hintere von dem nachdrückenden Wasser emporgehoben wurde. Gleich unterhalb des Falles wurde Halt gemacht.
Die Mücken waren am Abend eine schreckliche Plage. Sie traten in ungeheuren Mengen auf, und vergebens versuchte man, sie sich vom Leibe zu halten. Sie sind widerwärtige Quälgeister, besonders wenn man die Hände voll Arbeit hat und halbnackt sein muß, um jeden Augenblick in den Fluß springen zu können. Es scheint, als warteten sie nur darauf, daß man komme, und man wundert sich, wovon sie leben, wenn man nicht da ist.
Am anderen Tage fing der Ostwind wieder an. Der Wind und die Mücken sind unsere schlimmsten Feinde. Allen beiden konnten wir nicht entgehen, denn wenn es abends still ist, so wird man von den Mücken gepeinigt, und bleiben diese aus, so geschieht es, weil es windig ist. Weht es aber, so wird die Drift der Fähre gehemmt, und wird es gar zu toll, so müssen wir lange Zeit stilliegen und auf Windstille warten. Wir sehnen uns jetzt nur nach dem Punkte hin, wo unser Flußarm sich wieder mit dem Kona-darja vereinigt, wo wir mehr Wasser unter die Fähren zu bekommen hoffen und Hirten an den Ufern wohnen. Längs des neuen Armes fehlen die Menschen, denn er hat sich sein Bett durch frühere Einöden gegraben.
Schließlich wurde der Wind zu unangenehm, und wir wollten nicht länger auf diese Weise mit uns scherzen lassen. In einer einladenden Gegend auf dem rechten Ufer, wo einige alte Pappeln im Sande wuchsen, lagerten wir, und ich beschloß, nicht eher weiterzugehen, als bis der gräßliche Wind aufgehört hätte. Der Ort hieß Kum-atschal und lag in der Wildnis. Doch wir hatten genügende Vorräte, darunter vier Schafe, Hühner, Gemüse usw., und Brot wurde jeden Morgen am Lande auf dem Lagerfeuer gebacken.
Eine Gans, die ursprünglich zum Proviant gehörte und bei Kasim auf der Avisofähre hauste, machte allmählich Karriere und wurde ihres tadellosen Betragens halber zur Schiffsgans ernannt. Sie war eine klassische Erscheinung und watschelte frei auf der großen Fähre umher; sie besuchte mich häufig im Zelte und war so zahm, daß sie kam, wenn man sie rief. Nie machte sie einen Versuch, uns durchzubrennen, obwohl sie eine gefangene Wildgans war, der man allerdings die Flügel beschnitten hatte; bei den Lagerplätzen schwamm sie auf dem Flusse umher, kehrte aber stets von selbst wieder nach ihrer Schlafstelle an Bord zurück. Sie war lange bei uns; ich kann mich im Augenblick nicht darauf besinnen, wo wir sie verloren, aber wir werden ihr im Laufe der Erzählung wohl wieder begegnen. Vielleicht träumte sie dann und wann von den Palmen und den Mangobäumen an den Ufern des Ganges, wenn sie ihre freien Kameraden auf der Reise nach Indien über den Wald hinsausen hörte.
Als die Dämmerung kam, wurde die schwarze Kajüte eingeweiht und der Abend dem Entwickeln der Platten gewidmet. Alle die kleinen Löcher, durch die schwaches Licht eindrang, wurden verstopft und die Fenster mit schwarzen Filzmatten verhängt. Zuber und Bottiche wurden mit klarem Wasser aus einem See in der Nähe gefüllt und ein Licht im Zelte dicht vor dem roten Fenster angezündet. Das Atelier war auf diese Weise ausgezeichnet, und es gefiel mir darin so wohl, um so mehr als die Platten gut ausfielen, daß ich beschloß, noch den folgenden Tag zu bleiben und mit der Arbeit fortzufahren; wir konnten den Tag mit gutem Gewissen opfern, denn der Wind wehte noch ebenso eigensinnig.
Ich arbeitete bis 3 Uhr früh und war daher ein wenig verdrießlich, als Islam mich am 27. September um 7 Uhr weckte. Als er mir aber mitteilte, daß das Wetter ruhig und schön sei, sprang ich pfeilschnell auf und gab Befehl, den Anker zu lichten.
Hier wurde der Bek entlassen und zog mit seinen Leuten, die nun nicht länger gebraucht wurden, sondern nur am Proviantvorrate zehren halfen, wieder heim. Nur einer von ihnen, Muhammed Ahun, der ein Jäger (Pavan) war und die Gegend gut kannte, fuhr mit uns weiter.