20. Tänzerinnen und Musikanten beim Abschiedsfest in Lailik. ([S. 30.])
21. Frauen und Kinder unserer Bootsleute auf dem Wege zur Fähre. ([S. 33.])
22. Die Fähre auf dem Jarkent-darja. ([S. 36.])
Während der Nacht auf den 30. September fiel das Wasser wieder um 2,1 Zentimeter; daher los vom Ufer in der kalten Morgenluft und weiter den Fluß hinunter, nach Osten hin! Heute trat endlich unser alter Masar-tag aus der ein wenig klarer werdenden Luft hervor und war leicht erkennbar; sein höchster Gipfel war in ungefähr Nordosten zu sehen. Der Berg trat nur in schwachen Umrissen hervor, die jedoch im Laufe des Tages deutlicher wurden, so daß man schließlich Schluchten und Vorsprünge und die braunrote Farbe unterschied. Nachdem der Masar-tag seinen Platz in der Landschaft eingenommen, brachte er auch einige Abwechslung hinein und bildete das Thema des Tagesgesprächs. Man zerbrach sich den Kopf darüber, wie weit es bis dahin sein könnte, ob wir ihn noch vor Abend oder, wie ich vermutete, erst in ein paar Tagen erreichen würden. Eine lange Strecke hatten wir den Berg gerade vor uns, darauf rechts und dann links von der Fähre; am tollsten aber war es, als wir ihn hinter dem Achter hatten und uns wieder von ihm entfernten. Erst wenn man eine derartige Landmarke hat, die alles andere überragt, wird einem ganz klar, wie sich der Fluß schlängelt.
Das Terrain wird öder; der Wald hat aufgehört, und auf beiden Seiten des Flusses dehnt sich Gras- und Kamischsteppe aus, wo nur selten eine junge Pappel ihre Krone über verschmähten Weideplätzen erhebt. Unsere Jäger nehmen Spuren von Hirschen und anderen wilden Tieren wahr. Islam Bai brandschatzte selten anderes Wild als wilde Gänse und Enten; es war zwar sein Ehrgeiz, einmal einen Hirsch zu schießen, doch gelang es ihm nie. Er war alt geworden; auf der vorigen Reise hatte er besseres Jagdglück gehabt. Was mich betrifft, so habe ich nicht einmal das Leben einer Krähe auf meinem Gewissen. Ich feuerte auf der ganzen Reise keinen Schuß ab, und der geladene Revolver, den ich für einen etwaigen Überfall immer bei der Hand hatte haben wollen, lag tief unten in einer meiner Kisten verpackt; in welcher, wußte ich gewöhnlich nicht.
Der Kasim der Avisofähre entdeckte auf einem öden Ufer ein verlassenes, verirrtes Lamm, das wir an Bord nahmen, um es dem ersten besten Hirten zu übergeben; es hätte sonst gewiß nicht lange auf den Wolf zu warten brauchen.
Der Ostwind tat uns gelegentlich großen Abbruch, aber die Krümmungen waren nicht ganz so unberechenbar wie gestern. Ein eigentümlicher Zug an dem Bau des Flußbettes war, daß die Jarwände des Ufers viel auffallender waren als bisher und sich 4 und 5 Meter über die Wasserfläche erhoben. Sechs Meter lange Stangen erreichten meistens den Grund nicht, und um die Tiefe zu messen, mußten wir zwei zusammenbinden. Bisweilen waren beide Ufer gleich hoch, ohne eine Spur von Anschwemmungen; dies war natürlich nur an geraden Stellen der Fall. Wir glitten dann wie in einem Korridor dahin, vor dem Winde geschützt, aber ohne viel von der umgebenden Landschaft zu sehen.
Die mittlere Geschwindigkeit dieses Tages war 35 Meter in der Minute und bei dem in namenloser Gegend gelegenen Lager Nr. 12 betrug die Wassermenge genau 25 Kubikmeter, 2,8 Kubikmeter weniger als zuletzt. In der Luftlinie hatten wir 11,2 Kilometer, in Wirklichkeit 18,2 Kilometer zurückgelegt, ein viel günstigeres Verhältnis als gestern.