44. Drohender Schiffbruch. ([S. 112.])
45. Kähne auf dem unteren Tarim. ([S. 115.])
46. Tokkus-kum, das Nordufer der Sandwüste. ([S. 115.])
47. Dorf Al-kattik-tschekke. ([S. 116.])
Gerade an diesem Punkte ging die große Fähre der Flottille voran und glitt sorglos auf ihrer ruhigen Bahn dahin, ohne an einen Hinterhalt zu denken, als Palta just in dem Augenblicke, da wir in den Sog der Strömung hineintrieben, einen verzweifelten Schrei ausstieß, denn wir hatten nur einige zehn Meter die Pappel wie eine Barriere vor uns. Die Stangen reichten hier nicht bis auf den Grund, weshalb die Männer paarweise zu den neugezimmerten Stoßrudern griffen. Das war ein Geschrei und eine Aufregung! Mit rascher Fahrt trieben wir auf die Pappel zu und sahen, wie ernst die Lage war. Die Strömung bildete gerade an dieser Stelle einen kleinen Wasserfall, und die Geschwindigkeit war so groß, daß ein Schiffbruch das Werk eines Augenblickes hätte sein können. Der Gedanke durchzuckte mich, daß ich wenigstens die fertigen Kartenblätter und die Notizbücher retten müßte, denn bei einem Schiffbruche in diesem Strudel würde alles in der trüben Wassertiefe verloren gehen. Die Leute arbeiteten mit grimmiger Kraft. Islam und der Bek standen vorn, bereit, die Pappel anzupacken und so den Stoß abzuschwächen. Da gelang es den Lailikmännern im letzten Augenblick, die Fähre mit Gewalt aus der Strömung heraus- und in den Wirbel hineinzustoßen, wo sie sich langsam im Kreise drehte und in die Gegenströmung hineinglitt. Natürlich wäre sie wieder nach der Pappel hingetrieben, wenn nicht Alim ins Wasser gesprungen, das nur 1,4 Grad warm war und ihm bis an die Achselhöhlen reichte, und mit einem Tau auf das linke, niedrige Ufer geklettert wäre. Er zog uns dann an der gefährlichen Stelle vorbei.
Während wir uns im Wirbel drehten, sausten Kasim und Kader mit der kleinen Fähre und der Jolle an uns vorbei, ebenfalls gerade auf die Pappel los. Sie führten jetzt ein geschicktes Manöver aus. Sie waren vor dem Ungetüm gewarnt worden und hatten rechtzeitig die Jolle losgemacht, die sie im Vorbeifahren mit einem kräftigen Stoße nach der großen Fähre hintrieben. Mit Hilfe ihrer Ruder war es ihnen gelungen, so dicht an das rechte Ufer heranzukommen, daß Kasim mit einer Leine an Land springen konnte. Die kleine Fähre war indessen schon bei der Pappel angelangt, und es fehlte nicht viel zu einer Havarie, um so mehr als Kasim sich an den Ästen festhalten mußte, um nicht über Bord gefegt zu werden.
Hätte dieses Abenteuer in dunkler Nacht stattgefunden, so wäre das Zufrieren des Flusses an der Unterbrechung der Wasserreise unschuldig gewesen. Doch auch diesmal hatten wir das Glück als Gast an Bord und trieben flußabwärts weiter. Mit jedem Tage stieg die Verwunderung der Lailikmänner. Sie meinten, der Fluß müsse doch einmal ein Ende nehmen, aber er eile immer weiter nach Osten. Es schwindelte ihnen beim Gedanken an die wachsende Entfernung, und sie konnten sich keinen klaren Begriff davon machen. Es war ihnen nur, als sei ihr Haus und Heim in Lailik in weiter Ferne hinter Stürmen und Nebeln, Sandwüsten und undurchdringlichen Wäldern verschwunden.