In der Nähe der Mündung dieser Seen sahen wir mehrere verlassene Dörfer. Die aus Pappelholz und Kamisch gebauten Hütten ([Abb. 53]) standen noch da und sahen ziemlich neu und brauchbar aus, aber nicht ein einziges lebendes Wesen war zu sehen, und in dem Sand, der sich ringsumher schneewehenartig angehäuft hatte, war nicht einmal eine Fußspur zu entdecken. Mir wurde erzählt, daß die Bewohner dieser, wie auch die einer ganzen Reihe anderer, weiter flußabwärts liegender Dörfer vor sieben Jahren fortgezogen seien, nachdem die Pocken (Tschitschek) die Bevölkerung in schrecklicher Weise dezimiert hätten. Den Überlebenden wurden von den chinesischen Behörden Wohnsitze auf dem linken Ufer angewiesen. Sie hatten vorher hauptsächlich vom Fischfang gelebt, nun aber wurde ihre Lebensweise eine ganz andere; sie bestellten ihr Feld, säten Weizen und erwarben sich ihren Unterhalt auch mit Viehzucht. Der Boden ist jedoch mittelmäßig, und obwohl sich ohne Schwierigkeit Kanäle vom Flusse ziehen lassen, reicht der Ertrag des Bodens doch nicht für ihren Unterhalt aus, und sie müssen oft ihre Schafe verkaufen, um sich Mehl aus Korla zu verschaffen. Die reichsten Eingeborenen besitzen bis zu tausend Schafen, aber die meisten sind arm und begeben sich im Sommer nach ihren alten Seen, um dort zu fischen. Hierbei bewohnen sie jedoch nicht ihre alten Hütten, an denen für die meisten so traurige Erinnerungen hängen, sondern lagern unter freiem Himmel. Jetzt haben die Chinesen Zwangsimpfung eingeführt, welcher die skeptische Bevölkerung sich und ihre Kinder unterwerfen muß.

52. Kleine gebundene Dünen bei Karaul. ([S. 126.])

53. Verlassene Hütten am Seit-köll. ([S. 128.])

54. Unser Hauptquartier Tura-sallgan-ui. ([S. 135.])

55. Winterquartier in Jangi-köll mit meinen Leuten. ([S. 133.])

Auch am Seit-köll gingen wir an Land und bestiegen eine hohe Düne, von der man eine prächtige Aussicht über den See hat, der sich nach Südsüdwesten hinzieht und einem Fjorde zwischen steilen Felsen gleicht.