Wir lagerten zwischen zwei solchen Blöcken. Solange der Kochtopf und die Teekanne auf dem Feuer brodeln, hocken wir alle um dasselbe herum; nach dem Abendessen plaudern die Muselmänner über die Aussichten für den nächsten Tag, während ich beim Scheine einer Laterne meine Aufzeichnungen mache. Nur drei Holzstücke dürfen in jedem Lager draufgehen, zwei am Abend und eines am Morgen, sonst würde der Vorrat nicht zwei Wochen reichen.

Der Sturm legte sich während der Nacht, und als ich in aller Frühe aus meinem Pelzneste guckte, warf der Mond seine silberglänzenden Strahlen auf unser stilles Lager, wo alle fest schliefen und nur die schweren Atemzüge der Kamele das tiefe Schweigen unterbrachen. Ich mußte daran denken, daß der Mond, wenn er überhaupt die Fähigkeit besäße, auf menschliche Weise zu sehen und zu reflektieren, sich sehr über die armen Würmer wundern würde, die sich in den ewigen Sand hinein verirrt haben und die in ihrem Trotze über Teile der Erdoberfläche ziehen, die nicht für Menschenkinder geschaffen sind. Ich dachte mit Neid an seinen erhöhten Platz im Weltraume, der ihm nicht nur auf dieses Sandmeer im innersten Asien hinabzusehen erlaubte, sondern auch auf mein Heim im Norden, nach welchem meine Gedanken gerade an diesem Abend mit ganz besonderer Sehnsucht eilten, war doch heute der heilige Abend.

Müde von dem anstrengenden Sandmarsche des gestrigen Tages schliefen wir uns alle gemütlich aus, und die Sonne stand schon über den Kämmen der Dünen, als ich am Morgen erwachte. Alle Wolken und aller Flugstaub waren fortgezaubert worden, und das Sandmeer um uns herum glühte wie ein Lavastrom. Die Kamele, die stets dicht zusammengedrängt lagen, um sich aneinander zu wärmen, warfen lange, grelle Schatten auf den Boden, jenen seltsamen, öden Boden, auf dem man ein hilfloser, linkischer Gast ist und den zu betreten man sich kaum berechtigt fühlt. Es ist, als gehörte er einem anderen Planeten an.

Jetzt wurde es im Lager lebendig; das Gepäck wurde wieder geordnet, aber die Auslese war schon so gründlich getroffen, daß nichts mehr entbehrt werden konnte. Parpi Bai, Faisullah und Chodai Verdi kehrten mit den drei Reservekamelen zurück. Es war die Rede davon, daß Kurban mit ihnen ziehen sollte, aber er war so heiter und vergnügt, daß das Weihnachtsfest ohne ihn noch einsamer geworden wäre, weshalb er bleiben durfte. Die Leute schienen ebenso verhext zu sein wie ich, sie wollten alle mit durch die Wüste.

Die Zurückkehrenden erhielten ein paar Eisstücke, einen Holzklotz und einige Brotfladen, eine sehr knappe Beköstigung für den heiligen Abend; sie sollten die Entfernung in zwei Tagereisen zurücklegen und versuchen, den Seit-köll zu erreichen, welcher von hier aus der nächste Punkt war, an dem es Wasser gab. Im Sande waren unsere Spuren verweht, in den Bajiren würden sie jahrelang erhalten bleiben. Gefahr war nicht vorhanden; wohin sie sich auch nach Norden wendeten, stets würden sie an den Tarim gelangen. Es war mir eine Beruhigung, sie in Sicherheit zurückkehren zu wissen, und auch für uns war ein großer Vorteil dabei; der Wasservorrat würde nun länger reichen, da sechs Personen weniger davon zehrten. Bald entschwanden sie unseren Blicken wie schwarze Punkte auf dem Gipfel der nächsten Sandenge.

Unsere sieben übrigen Kamele wurden nun mit schweren Lasten beladen, die jedoch mit jedem Tage leichter werden sollten. Bis der Proviant sich nicht bedeutend verringert hatte, durfte keiner reiten.

Rasch durchschritten wir den Rest der dreizehnten Bajir. Ihr Boden ist leicht gekörnt, knisternd, hart und trocken, hier und dort mit einer dünnen, reifähnlichen Salzschicht bedeckt. Doch gräbt man nur ein paar Dezimeter tief, so stößt man auf ein ziemlich mächtiges Lager von gediegenem Salze, das deutlich das Bett eines verschwundenen Salzsees anzeigt. Die Tafeln und die Terrassen, die selten mehr als 2 Meter Höhe erreichen, sind mit einer völlig horizontalen Schicht von gelbrotem, beinahe steinhartem Tone von ein paar Dezimetern Dicke bedeckt.

Die fünfzehnte Bajir war im Südwesten von gewaltigem Sand abgeschlossen. Wir arbeiteten uns hinauf; es war eine harte Anstrengung für die Kamele, diese zahllose Folge von Abhängen hinauf und hinunter zu überwinden.

Ich ging zu Fuß voraus, aber von einer Bajir war nichts zu sehen; ich hoffte eine wirklich große, ebene Fläche als Weihnachtsgeschenk zu erhalten, aber immer höher ging es hinauf in immer tiefer werdendem Sande, und schließlich erkannte ich, daß ich auf die Protuberanz zwischen zwei Depressionen geraten war.

Unvergeßlich ist mir das Gefühl des Ärgers, das mich überkam, als ich von der 60 Meter hohen, abschüssigen Düne unsere sechzehnte Bajir erblickte, die wie ein kohlschwarzer Topf unter mir gähnte; ihr Boden war bis an die Oberfläche durch und durch naß, um ihren Rand herum lief ein Ring von weißem Salze und ringsumher erhoben sich hohe Dünen; es war ein Höllenpfuhl, ein Loch, das ganz gut ins Reich der Toten hätte hinabführen können.