69. Tränken der Pferde an einer Wake. ([S. 189.])
70. Schilfhütten in Scheitlar. ([S. 193.])
Wir hatten jetzt den Abschnitt der Wüstendurchquerung erreicht, in welchem man die großen Schwierigkeiten hinter sich hat und jedes neue Anzeichen von Leben und Wasser mit Spannung und Interesse wahrnimmt. Derartige Zeichen blieben auch heute nicht aus. Wir hatten schon das erste Kamisch und die erste Tamariske passiert. Ich ritt jetzt als Vorhut über die große, lange Bajir Nr. 33, die sich noch immer wie ein ausgetrocknetes Flußbett vor mir hinzog.
Den Boden kreuzten in allen Richtungen Spuren von Hasen, welche Tiere des Wassers gar nicht zu bedürfen scheinen; auch Fuchsfährten waren zu sehen. Dann traten einige Steppenpflanzen, Grasflecke und „Tschigge“, eine am Lop-nor vielfach vorkommende Binsenart, auf. Schließlich zeigten sich wieder Tamarisken, teils frische, geschmeidige, teils abgestorbene, die auf den charakteristischen Kegeln thronen, die ihre längst verdorrten Wurzeln umschließen.
Das Terrain war eben und vorzüglich; wer hätte ahnen können, daß man ein solches im Herzen dieser Sandwüste finden würde! Es wehte jedoch aus Osten so kalt, daß ich bisweilen zu Fuß gehen mußte, um nicht Hände und Füße zu erfrieren.
Diese schöne Bajir endete jedoch in einer Sackgasse, und ein ziemlich hoher Sandpaß war ihr im Süden vorgelagert. Da das Terrain aussah, als könne hier das Grundwasser erreicht werden, beschloß ich, hierzubleiben und zu versuchen, einen Brunnen zu graben.
Islam und Ördek machten sich sogleich ans Brunnengraben, während Turdu Bai die Kamele versorgte und Kurban Holz sammelte. In einer Tiefe von 1,38 Meter stand Wasser. Es war fast ganz süß und hatte +8,2 Grad Temperatur, es quoll aber so langsam aus dem Boden des Brunnens, daß man bei der Verteilung Geduld haben mußte. Abends durften zwei Kamele nach Herzenslust trinken, jedes nämlich sechs Eimer.
Jetzt hatten wir alles, was wir brauchten: Wasser, Brennholz und Weide; es war eine wirkliche Oase in der Tiefe der Wüste. Zwei große Feuer loderten den ganzen Abend in dem intensiven Winde und erhellten mit ihrem rötlichen Scheine die Dünenkämme, von denen Flugsand auf uns herabregnete. Als die Männer meiner Spur folgten, hatten auch sie ein neues, erfreuliches Anzeichen besserer Gegenden erblickt: einen großen, schwarzen Wolf, der über die Dünen im Westen fortgelaufen war.
Dieser Ruhetag war für Menschen und Tiere außerordentlich schön und notwendig. Wir waren meistens zu Fuß gegangen, die Kamele hatten schwere Lasten schleppen müssen, und die Kälte greift den Körper an, wenn man nicht hinreichend Brennholz hat, um sich zu erwärmen.