Kurban, der Unglücksrabe, wurde jetzt entlassen und verschwand, sobald er seinen Lohn erhalten hatte. Der junge Spitzbube verstand, sich seine Heimreise nach Kaschgar besonders bequem einzurichten. In Kutschar war er in das Serai der Andischaner gegangen und hatte sich dort als mein Expreßkurier an den Konsul vorgestellt, worauf ihm die freundlichen Kaufleute alles, was er verlangte, gegeben hatten. In Aksu war er zu der jungen Frau eines Beks in recht intime Beziehungen getreten und hatte Prügel bekommen, war aber vom chinesischen Amban, der sicher gedacht hatte, gegen den Kurier eines Europäers müsse man klugerweise höflich sein, gut behandelt worden. Aus der letztgenannten Stadt verschwand er auf einem gestohlenen Pferde. In Kaschgar erreichte seine Frechheit den Höhepunkt, indem er dem Konsul einen ganzen Räuberroman auftischte. Er hatte den Verzweifelten gespielt und erzählt, daß er von mir beauftragt worden sei, dem Konsul eine besonders wichtige Post zu überbringen, auf dem Wege aber von Banditen überfallen worden sei, die ihm die Postsachen und alles Geld geraubt hätten. Doch Petrowskij war an Räubergeschichten gewöhnt und setzte den Jüngling hinter Schloß und Riegel, um ihm Gelegenheit zu geben, über sein hartes Schicksal nachzudenken! Weiteren Gewinn hatte er von seinem Wagestücke nicht, und die Armen, die sich unterwegs von ihm hatten beschwindeln lassen, mußten allein für ihre Unvorsichtigkeit büßen und ihre Ansprüche, so gut sie konnten, mit dem jungen Kurban ausmachen.

88. Ein Tschappgan auf dem Kara-koschun. ([S. 240.])

89. Im Schilf unterhalb Kum-tschappgan. ([S. 240.])

90. Nordufer des Sees Kara-koschun. ([S. 240.])

Neunzehntes Kapitel.
Der Kurruk-tag und der Kurruk-darja.

Als das Wetter frühlingshaft zu werden begann, schickte ich Faisullah und Abdu Rehim mit den Kamelen und dem schwereren Gepäcke nach Dillpar am Kontsche-darja voraus, damit sie einen guten Weideplatz aussuchten und dort unsere Ankunft erwarteten. Ich selbst brach mit Tschernoff, Ördek und Chodai Kullu, einem Loplik, der nachher zwei Jahre in meinem Dienste war, sowie einer ganzen Schar Begleiter am 5. März auf. Diesmal nahmen wir zwei Zelte und einen Ofen mit, im übrigen aber nur das gewöhnliche Gepäck, die Instrumentkiste, zwei Kisten mit Küchengeschirr, zwei Jagdgewehre usw. Chodai Kullu galt für einen gewaltigen Jäger und hatte ein eigenes Gewehr. Weil mehrere Pferde von Jing-pen, wo die Wüste anfängt, wieder zurückgeschickt werden sollten, mußte der Dschigit Musa uns bis dorthin begleiten.

Unsere erste Tagereise auf dieser neuen Expedition führte uns nach Norden quer über das Steppenland, das sich zwischen Tarim und Kontsche-darja ausdehnt. Wir brachen spät auf, wie es der Fall zu sein pflegt, wenn man ein Hauptquartier auf längere Zeit verläßt; es ist so vieles zu ordnen und zu besorgen, und in der letzten Minute noch sind eine Menge Kleinigkeiten zu erledigen. Die drei zurückbleibenden Kosaken und die Muselmänner standen in Reih und Glied, als ich ihnen Lebewohl sagte und Parpi ermahnte, sich nicht in eine der Töchter des Landes zu verlieben — er war nämlich wegen seiner Schwäche in dieser Beziehung bekannt. Hochaufgerichtet stand er in seinem blauen Tschapan da und erwiderte lächelnd, ich könne ganz ruhig sein. Er hatte recht, seine Liebesabenteuer waren für immer zu Ende — zwölf Tage später starb er nach kurzer Krankheit und wurde feierlich auf dem stillen Friedhofe beerdigt; Eingeborene und Kameraden folgten seiner Leiche, und Stangen mit Wimpeln und Yakschwänzen schmücken jetzt sein Grab.