Der Abend war herrlich. Die Sonne schien ordentlich heiß, und wir breiteten alle unsere Kleidungsstücke, Pelze und anderen Sachen zum Trocknen aus, wobei eine leichte Süstostbrise half. Das Zelt trocknete am besten in aufgeschlagenem Zustande; die Sattelkissen wurden bald mit der einen, bald mit der anderen Seite in die Sonne gelegt.

Der Lama brachte seine Patentlampe, auf der das Abendessen gekocht werden sollte, in Ordnung. Lange hatten wir jedoch noch nicht gesessen, als wieder ein Gewitter mit betäubenden Donnerschlägen heraufzog, und ein ungeheuer heftiger Hagelschauer das Zelt beinahe zu Boden schlug. Die meisten Donnerschläge riefen einen eigentümlichen, metallischklingenden Ton hervor, der langsam in der Ferne erstarb und dem Klange einer Kirchenglocke glich. Ich habe dergleichen noch nie gehört.

Wir blieben an diesem Abend noch lange auf, plauderten und berieten uns über unsere Lage. Wenn wir nur Gelegenheit hätten, unsere Tiere durch einen ehrlichen Tausch loszuwerden, dann würden wir mit den neuen wieder lange Tagemärsche machen können. Ja, es wäre sogar noch besser, Yake zu haben als unsere erschöpften Maulesel und Pferde, und wir beschlossen, uns bei der nächsten Gelegenheit Yake zu verschaffen.

Während der letzten Tage war in unserer Nähe nichts Verdächtiges vorgefallen, aber der Lama glaubte, daß die Yakjäger den Gouverneur von Nakktschu benachrichtigt hätten, der in diesem Falle sogleich Eilboten in alle Teile seiner Provinz mit dem Befehle schicken würde, daß auf allen nach Lhasa führenden Wegen Ausguck zu halten sei. Kämen wir nur erst in die dichter bewohnten Gegenden, wo die Leute an Pilger gewöhnt seien, so würden wir nicht länger besondere Aufmerksamkeit erregen.

Nachts wurde strenge Wache gehalten, denn die mit mindestens zehn Flinten bewaffnete Eskorte der Teekarawane sah nichts weniger als vertrauenerweckend aus. Hätten sie es gewollt, so hätten sie uns in der Dunkelheit überrumpeln können, und wir wären in verzweifelter Lage gewesen.

Obwohl es im höchsten Grade wünschenswert war, daß wir uns so sehr wie nur irgend möglich beeilten, ehe unser schleichender Zug auffiel, beschlossen wir dennoch, am 3. August in dieser Gegend, welche die Tanguten Amdo-motschu nannten, zu bleiben. Ihrer Meinung nach hatte eine Yakkarawane von hier noch fünf Tagereisen bis Nakktschu und sieben bis Lani-la.

Nach einer ruhigen Nacht wurde ich von meinen Reisegefährten um 9 Uhr geweckt, — es war zu herrlich, einmal wirklich ausschlafen zu dürfen! Sie sagten, die Teekarawane ziehe heran und sei wirklich sehenswert.

248. Lager der drei Pilger. ([S. 184].)