Es war schon spät, und wir saßen, nachdem wir unsere Pferde und Maulesel wie gewöhnlich festgebunden hatten, noch lange in eifrigem Gespräch an dem im Zelte brennenden Feuer. Zunächst bereiteten wir uns auf das uns morgen bevorstehende Verhör vor; Schagdur bestand mit großer Energie darauf, daß der Lama dann nur als Dolmetscher sprechen solle.

Was mich am meisten interessierte, war, zu erfahren, woher sie das Wort „Schwed-peling“ hatten. Es war denkbar, daß durch die englischen Zeitungen in Indien irgendein Gerücht nach Tibet gedrungen sein konnte. Aber „Schwed“ konnte nichts anderes sein als das russische „Schwed“, Schwede. Sollte die große mongolische Pilgerkarawane, die im Herbst 1900 unser Hauptquartier in Temirlik passierte, dieses Wort aufgeschnappt haben? Damals hatte nicht einmal einer der Kosaken eine Ahnung von meinen Plänen gehabt, und es ist sehr wahrscheinlich, daß die Mongolen, die mit Schagdur und Tscherdon in ihrer eigenen Sprache gesprochen, sich erkundigt hatten, ob ich ein Russe oder ein Engländer sei, und die Antwort erhalten hatten, ich sei ein „Schwed“, welches Wort sich nicht ins Mongolische übersetzen ließ. Diese Pilger haben alles, was sie erfahren hatten, in Lhasa gemeldet, wohlwissend, daß ihnen jede Warnung vor ungebetenen Gästen zum Verdienst gereichen würde. Die Yakjäger, die wir beim Lager Nr. 38 getroffen, hatten die Meldung von dem Vorhandensein und Herannahen der europäischen Karawane bestätigt.

Eine dritte Möglichkeit ist, daß der Lama während des abendlichen Gesprächs mit dem Häuptling derjenige gewesen sein kann, der sich zuerst dieser Bezeichnung bedient hat, — es war das erste und sicher auch das letzte Mal in meinem Leben, daß ich nicht stolz darauf gewesen bin, ein Schwede zu heißen! In solchem Falle war der Lama ein Verräter, und Schagdur sagte mir auch, daß er unter keiner Bedingung auf ihn bauen würde. Sein Benehmen während der Unterredung sei ihm zu sonderbar vorgekommen, und seine Reden hätten die ganze Zeit über einen zustimmenden Eindruck gemacht.

Allerdings war das Ganze eine mysteriöse Sache. Gewiß ist, daß ihnen das Wort „Schwed“ auf irgendeine Weise zu Ohren gekommen war, aber ohne daß sie wußten, was es bedeutete. Es wurde jedoch durch das Wort „Peling“ verdeutlicht, welches Europäer heißt und wohl von dem persischen „Fereng“ oder „Ferengi“ ins Tibetische übergegangen sein mag.

250. Ein junger tibetischer Hirt. ([S. 199].)

251. Älterer Tibeter. ([S. 199].)

252. Eine Gruppe Tibeter. ([S. 199].)