Jetzt wurden zwei Pferde, ein Falbe und ein Schimmel, vorgeführt, die mir Kamba Bombo, wie er sagte, schenken wolle.
„Laßt zwei eurer Leute aufsitzen und im Galopp vor uns im Kreise reiten“, sagte ich. Dies geschah; aber die Pferde, die recht mager waren, stolperten und sahen wenig nach Vollblut aus. Ich wandte mich an Kamba Bombo und fragte ihn, wie er, ein so reicher und vornehmer Mann, mir, der ich mindestens ebenso vornehm sei, zwei so elende Gäule schenken könne; ich wolle sie nicht haben, sondern sie ihm für seine eigene Kavallerie lassen.
Anstatt diese offenherzige Kritik übelzunehmen, ließ er sofort zwei andere Pferde holen, die gut und wohlgenährt waren und nach abgehaltener Prüfung angenommen wurden.
Darauf ritten wir alle nach meinem Zelte, und hier blieb Kamba Bombo wieder eine gute Weile sitzen. Er aß Rosinen, wie ein Pferd Hafer frißt, und wurde mit Tee, Tsamba und Tabak bewirtet. Der ganze Stab umgab uns. Die Sonne beleuchtete dieses farbenreiche Bild. Die Tibeter sahen vorzüglich aus in ihren phantastischen Trachten mit Kopfbedeckungen wie Damenhüte mit Federn, mit kriegerischen Lanzen und Schwertern in brüderlichem Vereine. Alle lachten pflichtschuldigst über die Witze des Gouverneurs.
Nun wechselten wir uns tibetisches Silbergeld gegen chinesische Jamben ein, die der Bombo sorgfältig auf seiner mitgebrachten Wage wog; dann zeigten wir ihm unsere Waffen, die sichtlich tiefen Eindruck auf ihn machten. Ich sagte ihm, daß das Zusammentrommeln so vieler Soldaten, wie es hier geschehen sei, gar nichts nütze; mit ihren erbärmlichen Vorderladegewehren schreckten sie uns nicht ein bißchen. Wollten sie Krieg anfangen, so möchten sie erst bedenken, daß wir 36 von ihnen niederschießen könnten, ehe sie überhaupt mit dem Laden fertig würden. Er versicherte, es sei durchaus nicht seine Absicht, Krieg anzufangen, sondern nur, die Grenzen gegen unzulässige Fremdlinge zu bewachen.
Nun fragte ich ihn geradezu, weshalb er nicht wage, in mein Zelt zu kommen, ohne sich von einer 67 Mann starken Eskorte begleiten zu lassen; ob er wirklich so entsetzliche Angst vor mir habe.
„Nein“, antwortete er, „aber ich weiß, daß ihr ein vornehmer Sahib seid, und ich habe Befehl von Lhasa erhalten, euch dieselbe Ehrerbietung zu bezeigen, die die höchsten Beamten unseres eigenen Landes beanspruchen können!“
Nachdem ich lange genug vergeblich auf den Engel gewartet hatte, der vom Himmel herabsteigen und uns mit einem feurigen Schwerte den Weg bahnen würde, erhob ich mich und gab Befehl zum Beladen der Tiere. Mit Hilfe der Tibeter war dies im Handumdrehen getan. Kamba Bombo stellte mir eine Eskorte von drei Offizieren und zwanzig Mann vor, die uns nordwärts bis über die Grenze der Provinz Nakktschu bringen sollte. Er versicherte, daß wir uns so lange, wie wir uns in Begleitung dieser Eskorte befänden, um gar nichts zu kümmern brauchten; sie würde für unsere Tiere einstehen und uns mit allem nötigen Proviant versehen, wofür wir nichts zu bezahlen hätten. Er schenkte mir 6 Schafe und eine Menge Lebensmittel in Näpfen und Schüsseln.
So nahmen wir denn Abschied von diesem hochgestellten Beamten, der so freundlich und so ungastfreundlich gewesen war und uns so unerschütterlich den Weg versperrt hatte, und ritten in der Richtung zurück, aus der wir gekommen waren.
„Ja, lieber Schagdur“, sagte ich zu meinem prächtigen Kosaken, dessen Mut und Treue nicht einen Augenblick gewankt hatte, „Lhasa zu sehen, war uns nicht beschieden, aber am Leben sind wir noch, und wir haben allen Grund, dafür dankbar zu sein!“