260. Von Sirkin erlegter Kökkmek. ([S. 252].)
261. Gefrorenes Wild. ([S. 252].)
262. Hirten von Dschansung im Gespräch mit dem Lama im Lager. ([S. 254].)
Es war zum Sterben langweilig, denselben Weg wieder zurückzureiten, aber ich sehnte mich doch nach dem Hauptquartier zurück, um mit der ganzen Karawanenmannschaft neuen Erfahrungen entgegenzugehen. Ich zählte die Stunden und bezeichnete auf meinen schon fertigen Kartenblättern die Strecken, die wir an jedem Tage zurücklegten. Die tibetische Eskorte sorgte inzwischen für unsere Zerstreuung. Man kann sich nicht satt sehen an diesen Wilden, ihren malerischen Trachten und ihrer Art zu reisen, zu reiten, mit den Pferden umzugehen, zu rasten, zu lagern, Feuer anzumachen und Essen zu kochen. Abgesehen von den Offizieren sehen die anderen wie Straßenräuber aus ([Abb. 259]). Unterwegs haben mehrere ihre Zöpfe zusammengerollt unter die hohen, breitrandigen Hüte gesteckt. Ein paar Greise, Lamas, tragen das Haar kurzgeschoren; diese drehen während des Reitens unausgesetzt ihre Korle (Gebetmühlen) und murmeln unermüdlich in anschwellenden und abnehmenden, monoton singenden, einschläfernden Tönen ihr „Om mani padme hum“. Wir sind schon ganz intim mit ihnen, und die Bewachung ist weniger streng. Alle plaudern und lärmen und freuen sich sichtlich über die kleine Vergnügungsreise, die ihnen zuteil geworden ist. Schagdur ist von einer Gruppe Soldaten umgeben, mit denen er lustig scherzt. Sie lachen bis zum Ersticken über seine Versuche, die fremden Ausdrücke zu lernen und anzuwenden.
Solang Undü trägt über der Achsel ein rotes Zeugband, auf dessen Rückseite vier große silberne Gavo festgenäht sind, und am Gürtel Säbel, Messer, Feuerzeug, Tabaksbeutel, Pfeife und verschiedene andere Kleinigkeiten, die um ihn herumbaumeln und klappern. Unter diesen Utensilien befindet sich eine kleine Zange, mit der er sich wiederholt Barthaare, die sich zeigen, ausreißt; er ist auch völlig bartlos und sieht infolge der Runzeln, die sein Gesicht durchfurchen, wie ein altes Weib aus. Seinen Zopf hat er sorgfältig in ein rotes Tuch gewickelt und um den Kopf gewunden. Obendrauf thront der Filzhut mit einer großen Feder.
Nach dreieinhalbstündigem Ritt hielten die Tibeter an und fragten, ob wir etwas gegen eine Rast zum Teetrinken hätten. Meine beiden Reisegefährten stimmten für Weiterreiten, ich zog es aber vor, den Tibetern den Willen zu lassen, um ihre Reisegewohnheiten zu studieren. Sie sagten, sie hätten am Morgen noch kein Frühstück essen können, und der Appetit, mit dem sie die Speisen vertilgten, bestätigte ihre Worte.
Mit ihren Säbeln schnitten sie gruppenweise drei Erdschollen aus dem weichen Rasen; zwischen diese wurden die Töpfe gestellt, in denen das Teewasser gekocht wird. Trockenen Argol hatten sie bei sich, und bald brannten die Feuer. Aus Zeugstücken wurden Brocken von gekochtem Schaffleische ausgewickelt, und die Tsamba mit diesen, Fett, Butter und Tee bereitet. Wir begnügten uns mit sauerer Milch.
Während des Frühstücks wurde uns mitgeteilt, daß die Eskorte uns nur bis an die Grenze des Bombo von Nakktschu am Flusse Gartschu-sängi begleiten werde; wo wir dann blieben, schien sie nicht das geringste zu kümmern. Wir baten sie, bis ans Hauptquartier mitzukommen, dazu hatten sie aber durchaus keine Lust; sie hatten nur ihren Befehlen zu gehorchen und hegten überdies sichtlich einen gewissen Respekt vor unserer Karawane und der uns dort erwartenden Mannschaft. Gerade auf der Strecke des Weges, die ich die Räuberzone nennen möchte, sollten wir also für uns selbst sorgen. Wir sehnten uns nicht danach, da uns jetzt nachts undurchdringliches Dunkel umgab, während wir auf der Hinreise Hilfe vom Monde gehabt hatten.