282. Gebirge im Norden des Lagers Nr. 92. ([S. 305].)
283. Gebirge im Norden des Lagers Nr. 92. (Fortsetzung nach rechts des Bildes Nr. 282.) ([S. 305].)
Frühmorgens am 18. September gab ich Befehl zum Aufbruch. Während wir die Tiere beluden, erschienen einige Tibeter, die uns baten, noch einen Tag hierzubleiben, weil Hladsche Tsering und Junduk Tsering umkehren müßten und es in unserem eigenen Interesse liege, den Ankauf von Pferden und das Mieten von Yaken während ihrer Anwesenheit zu besorgen. Ich ließ antworten, es sei uns gleichgültig, wo sie blieben, wir würden heute auf jeden Fall reisen.
„Wohin denn?“ fragten sie. Ich zeigte westwärts nach dem Tale des Jaggju-rappga.
„Dort kommt ihr nicht durch“, behaupteten sie, „ihr müßt nach Nordwesten gehen.“
Ohne weiteres Parlamentieren ritten wir jedoch auf dem linken, nördlichen Ufer flußabwarts. Von einem Hügel entwickelte sich bald nach Westen hin eine entzückende Aussicht über einen neuen, ansehnlichen See, der reich an Felseninseln, Vorgebirgen und Buchten war und beinahe ebenso unentwirrbar aussah wie der Nakktsong-tso.
Sehr weit waren wir noch nicht gelangt, als uns schon die Tibeter in schwarzen Haufen von je 15 oder 20 Mann überholten; wir waren vollständig umschwärmt von diesen Reitern, deren rote Fähnchen an den Flintengabeln flatterten, wohin man nur das Auge wandte.
Als wir uns in der Nähe des Seeufers befanden, stellte es sich heraus, daß der Felsenarm, den wir rechter Hand hatten, in den See vorsprang und eine Halbinsel mit steilen Seiten bildete. Umgehen ließ sie sich nicht. Die Tibeter zeigten uns jedoch einen recht schwierigen Paß. Einige Stellen waren so steil, daß ein hier stürzendes Kamel unten als gehacktes Beefsteak angekommen wäre. Von der Paßschwelle entrollte sich eine neue herrliche Aussicht nach Nordwesten über einen anderen Teil des Sees mit neuen pittoresken Halbinseln und Felseneilanden. Die schwarzen Haufen der Tibeter rollten in Staubwolken wie Lawinen die Abhänge hinunter. Ehe wir noch hinuntergelangten und uns neben ihrem Hauptquartier niederließen, rauchte es schon aus allen ihren Zelten.
Dieser Lagerplatz. Nr. 84, am Ostufer des Tschargut-tso (4613 Meter) war einer der besten und angenehmsten, die ich je gehabt habe. Alles, was man sah, war schön, entzückte das Auge und machte den Sinn fröhlich. Westwärts sieht man tief in die Fjorde des Sees hinein wie in einen Steinwald ([Abb. 275]). Je entfernter sie liegen, in desto leichteren Nuancen treten Inseln und Vorgebirge hervor, aber alles ist von der Sonne überflutet. Die Tibeter passen gut in diese wilde Landschaft hinein, von der ihre malerische Tracht und kriegerische Ausrüstung durchaus nicht unangenehm absticht.