292. Das Gebirge auf der südlichen Talseite bei Lager Nr. 114. ([S. 321].)
293. Das Nordufer des Tsolla-ring-tso. ([S. 324].)
294. Lager an einem zugefrorenen Sumpfe. ([S. 324].)
Am 24. hatten wir auf beiden Seiten wilde, felsige Bergketten mit großartigen, phantastischen Perspektiven. Gleich hinter einem flachen Passe (4820 Meter) lagerten wir an einem kleinen Tümpel namens Oman-tso. Wir sind hier in der Provinz Sagget-sang, die von dem Senkorstamme bewohnt wird, ein Name, den wir auch bei Littledale finden. Von den drei heute zurückgebliebenen Kamelen erreichte eines noch spät das Lager, das zweite blieb auf dem Passe liegen, und das dritte starb.
Die Kälte ging bis auf −18,8 Grad herunter. Schon beim Aufbruch (am 25.) mußte ein Pferd totgestochen werden. Sechs Kamele sind kränklich und ziehen mit der Yakkarawane. Almas, dem es noch immer schlecht ging, ritt auf dem ersten von ihnen. Wir holten sie bald ein und sahen, wie eines streikte und mit zwei Männern zurückgelassen wurde; sie versuchten, es zum Weitergehen zu bewegen. Als es sich aber in der Lage ausstreckte, die die Kamele beim Sterben einnehmen, wurde es mit dem Messer getötet. Noch eines blieb mit einem Wärter zurück, und dann wieder eines. Später wurde das Dromedar auf einem Platze, wo Gras wuchs, zurückgelassen, damit die Nachzügler es mitnehmen könnten. Almas führte schließlich nur noch ein Kamel, die Mutter des kleinen Füllens, das in Tscharchlik geboren war. Die Liebe zu ihrem Jungen scheint ihre Kräfte aufrechtzuhalten. Das Junge gehört zu den Allergesundesten, weil es mit Brot gefüttert wird; es saugt jetzt nur noch selten an dem versiegenden Euter der Mutter. Wir haben jetzt nur noch 18 Kamele, 21 liegen tot auf unserer Straße. Alle vier Kosaken reiten auf Mauleseln, auf Pferden nur ich, Turdu Bai, Mollah Schah, Li Loje und Turdu Ahun, Hamra Kuls sechzehnjähriger Sohn, welcher der Diener der Muhammedaner ist. Die übrigen Leute reiten gelegentlich auf Kamelen, sonst gehen sie zu Fuß.
Diese so geschwächte Karawane zog zwischen den gigantischen Felsen weiter, die versteinerten, verzauberten Ritterburgen glichen. Alle Ketten biegen nach Nordwesten ab, ganz wie der Himalaja und der Kwen-lun auf denselben Meridianen. Auch heute lagerten wir im Lager Nr. 104 unter einem Passe an einem zugefrorenen kleinen See, dem Bondschin-tso ([Abb. 290], [291], [292]). Der Anführer unserer jetzigen Trabanten, Dawo Tsering, ist ein sehr netter, lustiger alter Herr, der nicht begreifen konnte, was er für Nutzen davon haben würde, wenn er uns hinters Licht führte.
Der Tod setzt seine Verheerungen in der Karawane fort. Ein Kamel wurde am Morgen geopfert, drei andere blieben während des Marsches zurück. Turdu Bai blieb bis 10 Uhr abends bei ihnen und sollte sich am nächsten Morgen nach ihnen umsehen; konnten sie dann nicht mitkommen, so hatte er Befehl, sie zu töten; den einen Trost haben wir wenigstens, daß wir ihnen ihr Grab in einer großartigen Natur bereiten.