Die Nacht im Lager Nr. 108 war sternenklar und windstill (−15,4 Grad). Sogar Sterne fünfter Größe waren am Horizont noch deutlich erkennbar, während diejenigen erster Größe wie Fackeln glänzten. Manchmal hört man die vermutlich hungernden und frierenden Wölfe heulen.

Am Morgen des 3. November stellte es sich heraus, daß alle Kamele bis auf zwei nach den üppigen Weiden des Perutse-tso zurückgekehrt waren; ihr Einfangen verursachte großen Zeitverlust. Sodann zogen wir nach Westen über sehr deutliche, schöne Uferterrassen, welche die frühere Ausdehnung des Sees Luma-ring-tso zeigen. Über umfangreiche Salzfelder erreichen wir endlich den See, einen unbedeutenden kleinen Salztümpel, dessen Nordufer wir folgen. Hinter einer schmalen Landenge taucht noch ein See auf, der Tsolla-ring-tso ([Abb. 293]), an dessen Ufer wir lagern. Im allgemeinen sind die Ufer sumpfig ([Abb. 294]) und selbst bei der jetzt herrschenden Kälte tückisch. Der Luma-ring-tso ist auf Nain Singhs Karte ganz verkehrt gezeichnet; letzterer gibt ihm eine Länge von 55 Kilometer statt der tatsächlichen 5½, aber er hat den See nicht gesehen, denn sein Weg liegt weit nördlich davon, und es ist nicht wahrscheinlich, daß der Luma-ring-tso seit 1873, in welchem Jahr der berühmte Pundit seine denkwürdige, verdienstvolle Reise machte, so bedeutend eingeschrumpft ist. Auf dem gefährlichen Sumpfufer wurden die Kamele nachts angebunden. Ein paar Pferde sanken nachts ein, und als wir sie am Morgen mit knapper Not wieder herausgezogen hatten, sahen sie wie Lehmstatuen aus. Trotz der ihnen neulich vergönnten Ruhetage stand es mit vielen von den letzten Pferden schlecht. Der Schimmel, der den Marsch gegen Lhasa mitgemacht hatte und der am 19. August schon aufgegeben gewesen war, aber trotzdem bis jetzt ausgehalten hatte, stürzte heute. Ich wollte ihn gerade töten lassen, als der tibetische Häuptling herbeieilte und ihn sich, so wie er war, ausbat, wozu ich gern meine Zustimmung gab.

295. Der Lama im Streite mit dem Anführer der Yakkarawane. ([S. 327].)

296. Aussicht nach Südosten vom Lager Nr. 129. ([S. 329].)

297. Die Umgebung des Lagers Nr. 133. ([S. 330].)

298. Offene Landschaft beim Tsangar-schar. ([S. 330].)