299. Geröllterrassen. ([S. 330].)
300. Unser erster Lagerplatz am Tso-ngombo. ([S. 333].)
Wir wußten, daß wir heute die Grenze von Rudok erreichen würden. Am Westende des Sees standen bereits 7 Zelte, und eine Menge Leute war dort zu sehen. Ein dreister alter Mann kündigte uns an, daß wir hierzubleiben hätten. In einem benachbarten Tale sei das Gras gut, und dort weideten auch ihre eigenen Pferde und Yake. Wir lagerten in der Nähe der Tibeter, und der Lama begab sich sofort zu ihnen, um Erkundigungen einzuziehen. Als er zurückkam, war er ganz aufgeregt; der Gouverneur von Rudok war ein rechter Grobian gewesen und hatte erklärt, daß er uns ohne Paß vom Dalai-Lama nimmermehr durch sein Gebiet ziehen lassen werde. Ich schickte zu diesem Bombo, der beim Dewaschung besonders gut angeschrieben sein soll und Oberaufseher des Tschokk-dschalung war, wo er im Sommer residierte; im Winter wohnte er in der Stadt Rudok. Tschokk-dschalung ist ein Goldfeld, das einige Tagereisen südwestlich der Gegend liegt, in der wir uns befanden. Im Winter sollen sich dort nur einige zwanzig Menschen aufhalten, im Sommer aber 300 und darüber, die von allen Seiten, sogar von Lhasa, dorthinkommen, um Gold zu suchen. Tschokk-dschalung gilt für den höchstgelegenen ständig bewohnten Ort der Erde.
Mit großem Gefolge und arroganter Sicherheit in seinem Auftreten kam er in seinem schönsten Paradeanzug, sobald er meine Aufforderung erhalten hatte; ich bat ihn, auf einer Filzmatte vor meinem Zelte Platz zu nehmen. Ich selbst blieb drinnen neben meinem Kohlenbecken sitzen. Der Bombo schien zuerst unschlüssig, wie er sich zu der zweideutigen Artigkeit verhalten sollte, setzte sich aber schließlich doch und forderte mir den Paß vom Dalai-Lama ab. Ich antwortete ihm, daß wir diesen Herrn nie gesehen hätten und folglich auch keinen Paß von ihm haben könnten.
„Ich habe nichts von euch gehört“, entgegnete er, „weiß nicht, wer ihr seid, habe kein Schreiben aus Lhasa erhalten, bin nie beauftragt worden, euch mit Yaken zu versorgen, aber ich weiß, daß es Europäern ein für allemal verboten ist, durch Rudok zu reisen.“
„Wenn ihr ein hoher Beamter seid, müßt ihr wissen, daß ihr verpflichtet seid, uns für die Reise nach Ladak zur Verfügung zu stehen.“
„Verdächtigen Personen gegenüber, die keinen Paß haben, bin ich zu gar nichts verpflichtet; doch wenn ihr wollt, werde ich nach Lhasa schreiben, und ihr müßt hier 2½ Monate warten, bis die Antwort da ist.“
„Das paßt uns außerordentlich gut“, erwiderte ich, „unsere Tiere sind erschöpft und bedürfen der Ruhe. Schreibt nur nach Lhasa, wir haben Zeit zu warten.“