„Congratulate you upon your safe arrival after most arduous journey and great discoveries. Am delighted that we shall see you here. Viceroy.“ (Gratuliere Ihnen zu ihrer glücklichen Ankunft nach der sehr anstrengenden Reise und den großen Entdeckungen. Bin entzückt, daß wir Sie hier sehen werden. Vizekönig.)

Ich sollte also einen kurzen Besuch in Indien machen und Lord Curzon ([Abb. 320]) wiedersehen, den ich seit mehreren Jahren kannte und der auch zugegen gewesen war, als ich in London im Dezember 1897 in der Royal Geographical Society einen Vortrag über meine vorige Reise hielt. Da es sich aber um einen Ritt von 400 Kilometern nach Srinagar, der Hauptstadt von Kaschmir, handelte, glaubte ich mir eine zehntägige Ruhe gönnen zu dürfen, ehe ich nach der Sommerhitze im Märchenlande aufbrach. Die Tage verrannen nur zu schnell. Ich wurde von den in Leh ansässigen Missionaren Ribbach und Hettasch und ihren Frauen mit Freundschaftsbeweisen und Gastfreundschaft überhäuft, ebenso von Miß Baß und dem Missionsarzt E. Shawe, der sich der Kranken in meiner Karawane mit unendlicher Freundlichkeit annahm. Täglich besuchte ich die Missionare und ich habe selten eine Station gesehen, die so musterhaft geleitet wird und so vielversprechende Früchte gezeitigt hat. In dem netten kleinen Kirchensaale feierten wir zusammen Weihnachten. Der Saal strahlte hell im Kerzenscheine, und der Weihnachtsbaum mit seinen zahllosen kleinen Wachslichtern gemahnte mich an viele unvergeßliche liebe Kindheitserinnerungen aus meiner nordischen Heimat. Ribbach predigte in der Ladakisprache, und beim Gesang stimmte die andächtig lauschende, festlich gekleidete Schar ein, die das kleine Gotteshaus dicht gedrängt füllte. Ich bin selten bei einem so ergreifenden, feierlichen Gottesdienst zugegen gewesen, obwohl ich von dem, was Ribbach sagte, nicht ein Wort verstand. Der freundliche Glanz der Christbaumlichter nahm meine Sinne gefangen, die weichen Orgelklänge berauschten mich, — ich hatte ja so unendlichen Grund zur Dankbarkeit, jetzt da alle unsere Mühseligkeiten zu Ende waren und ich mich wieder unter Europäern befand!

Am ersten Weihnachtstage langte meine Karawane an. Die letzten neun Kamele hatten den Paß Tschang-la glücklich überwunden. Jetzt sollten sie sich ausruhen und herrlichen frischen Klee zu fressen erhalten; ihre Krippen sollten beständig davon duften, sie sollten wie unsere eigenen Kinder gepflegt und für alles, was sie durchgemacht hatten, belohnt werden. Sie sahen ängstlich und erstaunt aus, als sie durch den Straßenlärm zogen ([Abb. 321]); aber auf unserem stillen Hofe fühlten sie sich bald heimisch, und ich sah ihre Augen vor Freude glänzen, als sie den Duft des reichlichen, saftigen Futters verspürten. Die Bewohner der kleinen Stadt, die wohl noch nie Kamele gesehen hatten, kletterten auf die Mauern des Hofes und betrachteten diese seltsamen, langhalsigen, buckligen Tiere mit größtem Erstaunen.

Jetzt wurde folgender Entschluß gefaßt. Während meiner Reise nach Indien sollte sich die Karawane ausruhen. Dazu brauchte ich nur drei von den Muselmännern zu behalten, und es paßte daher gut, daß die übrigen baten, sofort über das Kara-korum-Gebirge und Jarkent nach Hause zurückkehren zu dürfen. Sie erhielten ihren Lohn mit großer Zulage und außerdem Kleider, Proviant und je ein Reitpferd als Geschenk. Ich mietete für sie einen Mann aus Jarkent als Karakesch, der es übernahm, sie für eine bestimmte Summe nach Jarkent zu bringen. Als Sirkin, der sich nach Frau und Kindern sehnte, fragte, ob er sie begleiten dürfe, erlaubte ich ihm dies um so lieber, als er dann Briefe an Generalkonsul Petrowskij, bei dem sich meine früher gemachten Sammlungen befanden, überbringen konnte. Hier verließen uns also Mollah Schah, Hamra Kul, Turdu Ahun, Rosi Mollah, Li Loje, Almas, Islam, Ahmed und Ördek, der den besonderen Auftrag hatte, Sirkins Diener zu sein. Mit ihren Packpferden, dem Führer und seinen beiden Dienern bildeten sie eine recht ansehnliche Karawane, als sie am 29. Dezember von Leh fortritten. Trotzdem Sirkin sich aufrichtig nach Hause sehnte, vergoß er doch bittere Tränen, als ich ihm zu einem langen Lebewohl die Hand reichte und ihm für alle die Dienste dankte, die er mir während dieser Jahre geleistet hatte.

Schließlich wurde alles zum Aufbruch bereit gemacht. Tschernoff wurde Chef des Winterquartiers in Leh, Tscherdon Meteorologe, Turdu Bai, Kutschuk und Chodai Kullu, die besten der Muselmänner, sollten die Kamele, die Maulesel und mein altes Reitpferd pflegen. Sie erhielten eine reichliche Geldsumme zur Bestreitung der Haushaltkosten, und Jettumal versprach, dafür zu sorgen, daß es ihnen an nichts fehle. Auch Dr. Shawe und die übrigen Missionare wollten sich während meiner Abwesenheit meiner Leute annehmen. Der Lama, der ebenfalls dort blieb, stand bald auf vertrautem Fuße mit Herrn Ribbach, der sich für den jungen Priester sehr interessierte. Schagdur nahm ich, nachdem ich vom Vizekönig die Erlaubnis dazu erhalten hatte, mit nach Indien. Ich versprach mir ein ganz besonderes Vergnügen davon, Zeuge der Verwunderung des braven Kosaken zu sein über alles, was er in jenem wunderbaren Lande erblicken würde.

Achtundzwanzigstes Kapitel.
Ein Besuch in Indien.

Ich würde nun meinen Bericht schließen können, da wir alte, wohlbekannte Gegenden erreicht haben, die schon vor mir und besser von vielen Reisenden mit klassischen Namen beschrieben worden sind. Wenn ich dennoch einige Schlußworte hinzufüge, geschieht es, damit der Leser meine Spur nicht vollständig verliere und gänzlich im Stiche gelassen werde, während wir noch im Inneren des großen Kontinents sind, welches durch den „Wohnsitz des Winters“, den Himalaja, von dem warmen Meere getrennt wird. Es soll jedoch schnell gehen; vermutlich sehnt sich der Leser ebenso aufrichtig wie ich danach, dieses Reisewerk hinter sich zu haben.

Am Morgen des 1. Januar 1902 stampften vier kleine, muntere Ladakpferde vor meiner Tür. Ich und Schagdur bestiegen zwei von ihnen, die anderen trugen unser Gepäck und wurden von Fußgängern getrieben; Mirsa Muhammed war von Jettumal beauftragt worden, mich zu begleiten.

Wie wunderlich und ungewiß ist doch das Leben, wie viel rätselhafter der Tod! Ich sollte keine Gelegenheit haben, dem Täsildar Jettumal für die vielen Dienste, die er uns leistete, zu danken, denn bei meiner Rückkehr nach Leh war er schon tot und verbrannt und seine Asche in die heiligen Wellen des Ganges gestreut!