192. Lager mitten in der Sandwüste. ([S. 22].)
193. Brunnen, in der letzten Oase gegraben. ([S. 23].)
Die Steigung fährt fort, obgleich nur mit 0,644 Meter auf 11250 Meter. In dem heutigen Lager befanden wir uns also um 0,754 Meter über dem Ausgangpunkte. Dies schien des Guten zuviel zu werden; der Kara-koschun konnte doch nicht höher liegen als Lôu-lan! Alle meine Gedanken und Grübeleien drehten sich um diese interessante Nivellierungslinie. Die folgenden Tage, deren Verlauf ich mit Spannung entgegensah, würden zeigen, ob wir nicht eine flache Protuberanz oder Wasserscheide zwischen dem früheren und dem jetzigen Seebecken zu passieren hatten.
15. März. Schor, den ganzen Tag Schor, tödlich einförmig! Kein Gegenstand, auf den man das Fernrohr richten könnte, nichts, was lockt, als die Sehnsucht, aus dieser langweiligen Wüste herauszukommen!
Das Wetter jedoch war herrlich, und um 1 Uhr stieg die Temperatur nur auf +11 Grad. Aber unsere Lage war insofern kritisch, als wir kaum noch etwas zu essen hatten. Der Reisvorrat hatte ein Ende genommen, nur ein kleiner Beutel mit geröstetem Mehle war noch da; die Männer hatten Tee, ich Kaffee und Zucker, — das war alles. Die Kamele hielten sich vortrefflich; sie mußten die Polsterung ihrer Packsättel auffressen. Trinkwasser war zur Genüge vorhanden, hatte aber von den Ziegenlederschläuchen einen widerlichen Beigeschmack angenommen. Noch schwammen einige Eisstücke darin, und nur diese waren genießbar.
Vergeblich suchten wir am Horizont nach einer Rauchsäule von Tokta Ahuns Signalfeuern. Schagdur spähte mit dem Feldstecher, ich mit dem Fernrohr danach aus, aber nichts war zu sehen. Eine kleine Abwechslung bot sich uns zu Ende des Marsches, indem wir an einigen, halb in den Schorboden eingebetteten Pappelstämmen vorbeikamen. Es war Treibholz, das einst, als das Land unter Wasser stand, hierher geschwemmt worden war.
Das heutige Nivellierungsresultat war 0,304 Meter Fall auf 16226 Meter. Nach einer ebeneren Landschaft kann man auf der Oberfläche der Erde lange suchen! 30 Zentimeter Gefälle auf 16 Kilometer!
Wir hatten also die vermutete Protuberanz passiert, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde das Gelände nun nach dem südlichen Seebecken fallen.
Als wir am Morgen des 16. aufbrachen, mußten wir nach der vorjährigen Marschroute nicht viel mehr als 20 Kilometer vom Kara-koschun entfernt sein. Wir erhielten auch bald die ersten Anzeichen von „Land“; wir begannen zu merken, daß wir uns dem Strande des Wüstenmeeres nahten. Die äußersten „Schären“ bestanden aus ein paar toten oder sterbenden Tamarisken. Diese traten nach und nach häufiger auf, und ihre treuen Begleiter, eine kleine einen Meter hohe Sanddüne auf der vor dem Winde geschützten Seite jedes Strauches, waren unseren schmerzenden Füßen sehr willkommen.