Chodai Kullu erhielt für seinen bewiesenen Mut und seine Entschlossenheit eine Extrabelohnung in Silbergeld. Er versicherte ruhig, daß er die ganze Zeit über fest entschlossen gewesen sei, nicht umzukehren, sondern zu versuchen, seinen Auftrag auszuführen, wenn es auch das Leben kosten sollte. Schon seit er das wilde Kamel getötet hatte, war sein Ansehen gestiegen; jetzt aber wurde er nie anders als Batir, der Held, genannt. Solche Leute muß man haben; unter den Muselmännern sind sie jedenfalls selten.

Unsere lange Wanderung nahte sich ihrem Ende. Ihr letzter Abschnitt war ein Durcheinander von verwickelten Verhältnissen gewesen. Doch was tat das, da sich schließlich alles auf glückliche, wunderbare Weise löste! Mein guter Stern hatte mich nicht verlassen, und all meine Unruhe um die zersplitterten Teile der Karawane war unnötig gewesen.

Wie süß und notwendig war die Ruhe an diesem tiefen, klaren Süßwasserarme, wo stellenweise üppiges Schilf wucherte. Wir waren hier zwei Tage in der Wildnis zu Gaste. Wir lebten flott, denn die drei Proviantpferde der Entsatzexpedition hatten reichliche Vorräte an Fleisch, Fischen, Reis, Brot, Mehl und Eiern, ja sogar Tee und Tabak mitgebracht. Die Post von zu Hause war jedoch das Allerbeste; sie fesselte mich an meine Jurte, und es bedurfte einer gewissen Energie, um das Lesen zu unterbrechen und eine Breitenbestimmung auszuführen. Alles war mir neu; merkwürdig aber war es, daß ich von dem Boxeraufstande in China durch einen Brief aus — Stockholm erfahren sollte. Se. Exzellenz der Minister des Auswärtigen warnte mich davor, und vielleicht war es ein Glück für uns, daß wir uns nicht nach Sa-tscheo begeben hatten, obwohl wir ganz in der Nähe dieser Stadt gewesen waren.

Am 25. März begaben sich Chodai Kullu und Tokta Ahun vorweg nach dem Standlager zurück. Merkwürdigerweise waren wir nur 3 Kilometer voneinander entfernt gewesen, und doch hatte mein Kundschafter fünf Tage gebraucht, um dorthin zu gelangen. Der Grund war der, daß neugebildete, mächtige Wasserarme, die der Kara-koschun nach Norden aussendet, unsere Lager trennten. Um nach ihrem Standlager zu gelangen, mußte man entweder diese Seen umgehen oder die Flußarme überschreiten. Jenes hatte die Hilfsexpedition getan, dieses wollten Tokta Ahun und Chodai Kullu versuchen. Sie nahmen keinen Proviant mit, gingen zu Fuß und schwammen schließlich, die Kleider in einem Bündel auf dem Kopfe, über die breiten Ströme. Der Grund, warum sie nicht mit uns zu Lande dorthin gingen, war, daß sie rechtzeitig wieder im Standlager sein mußten, um die Fischer aus Kum-tschappgan dort zurückzuhalten.

Am nächsten Tage hatte unsere süße Rast ein Ende. Dieser Lagerplatz, Nr. 170 auf meiner Karte, war einer der besten auf der Reise, einer von denjenigen, die ich nie vergesse. —

Am 26. März führte uns der ganze Tagemarsch nach Norden, und wir folgten meistens den Spuren der rettenden Reiter, die jedoch hier und da schon unter Wasser standen, so hastig drängt der neue See nach Norden.

199. Meine Jurte in Chodai Kullus Oase. ([S. 34].)

200. Chodai Kullu und sein wildes Kamel. ([S. 34].)