209. Ausgrabungen im Buddhatempel. ([S. 43].)

210. Schnitzereien in Pappelholz. ([S. 43].)

Rechts ein Buddhabild, unter diesem ein Fisch.
Das Maß zur Linken ist 1 Meter.

Ördek war gesund und munter und bat aufs flehentlichste, mitkommen zu dürfen, gleichviel wohin und unter welchen Bedingungen. Als er im vorigen Jahre um seine Entlassung bat, hatte er als Grund eine bösartige Krankheit angegeben. Jetzt versicherte er, dies sei gelogen und der wahre Grund der gewesen, daß Islam ihn mit dem Tode bedroht habe, wenn er es wagen würde, sich in Temirlik sehen zu lassen.

Jetzt, da Islam uns verlassen hatte, zog sich ein Unwetter über ihm zusammen. Ördek aber wurde unter denselben Bedingungen wie früher fest angestellt, mußte sich alles Nötige besorgen und erhielt den Befehl, den Eseln nachzueilen und mit ihnen nach dem Kum-köll zu ziehen.

Der Lama war im vorigen Winter von einer Pilgerfahrt nach Lhasa zurückgekehrt, wo er eine Zeitlang in einigen Tempeln die heiligen Bücher studiert hatte. Auf der Rückreise hatte er einen anderen Lama aus Kara-schahr als Genossen gehabt und dabei in Zaidam Kosloffs Expedition gesehen. Dies war das einzige Mal auf der ganzen Reise, daß ich etwas von meinem russischen Freunde hörte.

Schereb Lama war sofort außerordentlich geneigt gewesen, die burjatischen Kosaken nach Lhasa zu begleiten, und hatte ihnen so viel von den Herrlichkeiten dieser Stadt erzählt, daß Schagdur vor Sehnsucht brannte, dorthin zu kommen. Der Lama war aber mißtrauisch gewesen und hatte gefragt, ob auch ein „Russe“ mitwolle, denn dann könne er sich mit der Sache nicht befassen, — das würde ihm das Leben kosten. Schagdur hatte beteuert, daß kein Russe mitgenommen würde. Der Lama erklärte mir nun, daß er mich gern überallhin begleiten wolle, — nur nicht nach Lhasa, und daß er mit einem Lohne von zwei Jamben für die ganze Zeit zufrieden sei. Er erzählte dann allerlei von der heiligen Stadt und der Wallfahrt und sagte, daß Lhasa schon in einer Entfernung von zehn Tagereisen von Reitern und Grenzaufsehern umgeben sei, die jede ankommende Karawane, ja jeden einzelnen Reiter gründlich untersuchten. Alle würden auf diese Weise angehalten, und erst nachdem ihre Pässe in Lhasa geprüft und von dort Bescheid gekommen sei, dürften sie frei passieren. Die große Mongolenkarawane, die voriges Jahr an unserem Lager in Temirlik vorbeigezogen war, sei zehn Tage aufgehalten worden, weil man in Erfahrung gebracht, daß unsere Karawane an der Grenze des Landes der Zaidammongolen lagere, und man wahrscheinlich befürchtet habe, daß sich irgendein Unbefugter mit ihr einschleichen wolle.

Darauf kam die Reihe an Chalmet Aksakal. Zuerst fragte ich ihn, ob er mir einen großen Dienst erweisen wolle, was er selbstverständlich bejahte. Er solle mir zehn Jamben Silber leihen, nach damaligem Silberwert etwa 2000 Mark. Bald darauf reihte er die Silberbarren in meinem Zelte auf. Ohne diese Verstärkung meiner Kasse würde ich in Südtibet in eine äußerst unangenehme Lage geraten sein. Nach meinem Diktat schrieb er einen Brief in türkischer Sprache an Herrn Petrowskij, welches Schreiben von mir unterzeichnet wurde und als Wechsel für besagte Summe galt, der auch rechtzeitig eingelöst wurde.