Die Hügel des linken Ufers waren von einer aus 75 Tieren bestehenden Yakherde geradezu schwarzgetüpfelt. Sie halten sich im Winter unten in den großen Längentälern auf, aber ihre Sommerfrischen liegen auf den mit Yakmoos bewachsenen Halden in der Nähe des ewigen Schnees.

Gerade vor uns, höher oben in dem breiten, offenen Talgrunde, zeigte sich etwas, das wir für einen Menschen hielten, der uns hochaufgerichtet mit steifer Haltung entgegenkam, aber infolge der Entfernung und der zitternden Luft nur undeutlich zu unterscheiden war. Sirkin, der Lama und Turdu Bai untersuchten den Gegenstand mit dem Fernglas und erklärten bestimmt, es sei ein Mann; der Lama fügte hinzu, der Mann sammle Yakmist und hinter ihm seien zwei schwarze Zelte zu sehen. Also schon jetzt Tibeter mit großen Yakherden? Es wäre fatal, mitten auf dem Marsche von Tibetern überrascht zu werden; nun würde die burjatische Verkleidung umsonst sein und durch alle unsere Pläne ein Strich gemacht werden!

230. Die Kamele am Ufer des Kum-köll. ([S. 114].)

231. Turdu Bais Zelt. ([S. 120].)

Auch ich sah mir diesen rätselhaften Wanderer lange an. Wir warteten eine ganze Weile, um ihn näherkommen zu lassen. Doch mit der Zeit verwandelte sich unser Mann in einen Kulan, den wir in Verkürzung gesehen hatten; die schwarzen Zelte waren einfach die Schatten einer Erosionsterrasse, und die Herde bestand aus wilden Yaken, die, sobald sie unsere Karawane witterten, angefangen hatten, sich talaufwärts zu entfernen.

Bald darauf scheuchte Jollbars einen jungen Hasen auf, dem es sicher schlecht gegangen wäre, wenn er den Hund nicht durch seine schnellen Seitensprünge ermüdet und sich dann in eine kleine Erdhöhle geflüchtet hätte. Hier war er jedoch auch nicht sicher, denn Schagdur holte ihn mit der Hand heraus, band ihn und streichelte das erschreckte Tierchen. Als die Karawane und alle Hunde vorbeigezogen waren, löste ich seine Bande, um ihm die Freiheit wiederzuschenken. Er hüpfte mit leichten Sprüngen vergnügt fort und schien ganz erstaunt, daß er aus einem solchen Abenteuer mit heiler Haut davongekommen war; aber noch war er nicht weit gelangt, als ein Falke, den wir nicht bemerkt hatten, auf ihn herabstieß. Schagdur eilte hinzu, kam aber zu spät. Der Falke ließ seine Beute mit ausgehackten Augen in Todeszuckungen liegen.

Derartige Ereignisse sind die einzigen Unterbrechungen der langen, einförmigen Ritte. Ich reite stets neben dem Lama, um mich im Mongolischen zu üben, und allmählich nehmen unsere Pläne nach Lhasa eine immer deutlichere Gestalt an.

Am linken Ufer eines neuen Flusses, der sich weiter abwärts mit dem großen vereinigt, war die Weide besser als seit langem und überall so viel Yakdung vorhanden, daß wir dort das Lager aufschlagen konnten. Das Wetter war strahlend hell, in der Luft summten sogar Fliegen. Ein wenig weiter oben zeichneten sich die schwarzen Umrisse von 20 Yaken ab, und Kulane wie Antilopen waren zahlreich vertreten. Ein Kulan spazierte ganz in unserer Nähe auf dem gegenüberliegenden Ufer umher. Zwei Hunde schwammen über den Fluß und jagten ihn eine Strecke weit, er blieb aber sehr ruhig, graste weiter und ließ die Hunde bellen, soviel sie wollten. Nicht einmal Rebhühner und Wildgänse mit ganz kleinen Jungen fehlten in dieser Gegend, die uns außergewöhnlich gastfreundlich aufnahm.