Der Tag war ebenso trübe und düster wie die Nacht. Die Sonne läßt sich überhaupt nicht blicken; schwere, schwarze Wolken hängen überall, Vorhängen vergleichbar, und sie sehen so schwer aus, daß man meint, sie müßten herunterfallen und zerreißen.

Der Lama glaubte am Morgen, im Südwesten ein schwarzes Zelt zu sehen, und stimmte dafür, daß wir dorthin reiten und Erkundigungen einziehen sollten; ich zog es jedoch vor, geraden Weges auf den nächsten Paß in den südlichen Bergen, die jetzt von Hagel und Schnee kreideweiß waren, loszugehen.

Sobald wir in das Tal, in welchem ein Bach strömte, eintraten, nahm die Steigung zu und wurde bald steil. Wir verließen das Tal und ritten über Hügel von rotem, pulverisiertem Sandstein im Zickzack zum Passe hinauf. Von dort kamen wir einen steilen Abhang hinunter in ein ziemlich breites, südostwärts führendes Tal.

In einer Talweitung lag der Kadaver eines Schafes mit seiner Last, die aus Salz in einem zweiteiligen Beutel bestand. Wahrscheinlich hatte eine tibetische Schafkarawane unsere kleinen Räuberseen besucht, wo das Salz an einigen Stellen offenliegt und leicht erreichbar ist und wo wir auch Spuren einer Herde gesehen hatten. Feuerstätten werden immer häufiger; von tibetischen Mahlzeiten übriggebliebene Knochen und Schädel liegen umher.

244. Kosak Schagdur, der Verfasser und der Lama Schereb als mongolische Pilger.

245. Der Verfasser als mongolischer Pilger verkleidet.

Als unser Tal nach Südwesten abschwenkte, verließen wir es und ritten über die nächste Bergkette, wo Schagdur bald einen ziemlich stark benutzten Weg entdeckte. Von dem Passe hatten wir wieder eine umfangreiche, obgleich wenig aufmunternde Aussicht: Berge und Kämme überall, soweit der Blick nach Süden und Südosten reichte. Kein Mensch, kein schwarzes Zelt in Sehweite! Wir hatten also noch eine Frist vor neugierigen Blicken; aber wir ahnten doch, daß verborgene, schleichende Späher uns nicht aus den Augen ließen.

Der Himmel ist bleischwer und düster, und die Stunden vergehen langsam und ermüdend. Auch der Tag hat seine Spannung; wir wissen nichts von diesem Lande und seinen Verhältnissen, aber wir sind überzeugt, daß früher oder später etwas Außergewöhnliches eintreten wird. Wir müssen jede Minute auf unserer Hut sein, sonst wird uns ein Streich gespielt, wenn wir es am wenigsten erwarten.