Die Arbeit der Nacht wird schwer für sie; sie geht ihr nicht mehr wie ein Spiel von der Hand, sondern verursacht ihr große Anstrengungen und tausende von Qualen.
Das alles altert sie; sie büßt mehr und mehr von dem ein, was wir Menschen Lebenskraft nennen: Mut und gute Laune.
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Es wird wieder Winter — und Strix hat sehr zu leiden. Namentlich peinigen ihre Erbfeinde — die Krähen und Elstern — sie schrecklich.
Eines Tages wird sie von einer ganzen Schar Elstern entdeckt; es sind ihrer zwölf — zwei ganze Familien — Hauskrähen, mit langen Schwänzen und mit Weiß an den Flügeln, ihre Federn glänzen wie Metall; sie sind eingebildet und sagen, daß sie, wenn sie fliegen, sehr wohl mit Fasanenhähnen verwechselt werden können. Sie foppen die Alte, ziehen sie auf. Sie sitzt da, verzweifelt vor Wut, und schneidet Gesichter.
Aber was soll sie tun? Mit ihrem Sehvermögen ist es schlecht bestellt, namentlich am hellen Tage, und sie kann nicht mehr, wie in ihren jungen Tagen, herausfahren und eine mit jedem Fang fassen und sie mit sich in den hohlen Baum schleppen. Sie muß den Hohn leiden und die Qual aushalten. Aber allein das Bewußtsein davon macht sie noch hinfälliger.
Es ist unter den Tieren nicht wie unter den Menschen. Unter den Tieren muß ein jeder für sich selbst sorgen, und nur selten hilft eins dem andern beim Fang, wenn die Fänge abgegriffen und die scharfen Zahnränder oder Schneiden zu Zahnfleisch werden. Daher kommen auch in diesem Winter für Strix Zeiten wo sie Aas fressen und noch dankbar dafür sein muß.
In ihrem langen Leben hat sie reichlich Gelegenheit gehabt, das nächtliche Leben der Raubtiere aus der Nähe zu beobachten und ihr Tun und Lassen zu erspähen.
Sie sieht die Füchse in großem Umfang ihre verschiedenen Speisekammern rings umher im Erdboden versorgen. Die Kerle machen es gerade so wie der Hund, sie vergraben alles, was sie nicht auf einmal fressen können. Rings umher in den Mooren, unter Grasbüscheln und in verlassenen Ameisenhaufen verstecken sie ihren Raub — und finden ihn mit Sicherheit selbst nach Verlauf langer Zeiten wieder.
So legt sich denn Strix darauf, ihnen ihren Wechsel abzulauern und die Gelegenheit wahrzunehmen, in ungestörter Ruhe sich die Niederlagen zunutze zu machen. Aber das Leichengift des Aases ist keine stärkende Medizin — sie wird schwach und altert in beständig zunehmendem Grade.