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Strix hat jetzt die längste Zeit gelebt.
Sie hat alle Qualen des Lebens erduldet —
Der Nachtfrost und der Lenzschnee löschten den Lebensfunken in ihrem ersten Gelege Eier und sie hat mehr als einmal auf verfaulten Eierschalen gesessen; einige spätausgefallene Junge, die nicht flügge waren, als der Winter kam, sind eingegangen, und wo sind die wenigen glücklichen, die lebten, abgeblieben?
Sie hat sich nie stark vermehrt und die Welt mit dem Abklatsch ihres eigenen Ichs belästigt. Andere Vögel brüteten zweimal im Jahre und setzten jedesmal vier, sechs, acht, ja, zehn Kinder in die Welt; sie war mäßig gewesen und hatte sich stets mit nur zweien begnügt.
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Der Winter geht seinen Gang. Er wird hart werden in diesem Jahr, und Strix leidet Not — schlimmer denn je.
Sie streift nicht mehr umher, macht nicht einmal mehr kleine Ausflüge; sie hat keine Kräfte dazu und fühlt auch nicht das Bedürfnis. Sie bleibt lieber in der Urwaldecke und hungert.
Wenn dann der Novembersturm pfeift und die Schneeflocken um ihr Haus da draußen wirbeln, wenn es so schneidend kalt ist, daß Larve und Wurm im Holz um sie her in Ruhe frieren und nicht den leisesten Laut mehr telegraphieren — dann schließt sie die Augen und sitzt in sich versunken da, während sie den dänischen Frühling vor sich sieht.
Die Weiden stehen gelb von aufgebrochenen Kätzchen, und Schwärme von lenzdurstigen Bienen fliegen hin und her, während ein warmer und wachstumverheißender Erdbrodem aus dem Boden aufsteigt. Die Schnecken sind draußen, und mitten im Sonnenschein zwischen den grünen Wildkerbelbüschen thront eine große, leckere Kröte. Sie sitzt da und verzehrt Mücken, die sie in einem dichten Schwarm umtanzen. Jedesmal, wenn sie mit Blitzesgeschwindigkeit die Zunge herausgeschnellt und sie wieder hineingezogen hat, zwinkert sie wohlbefriedigt mit den Augen.