So überraschen ihn eines Nachmittags ein paar alte Waldhüter, als er im Begriff ist, junge Dohlen zu rauben. Sie sehen, wie sich eine kleine Eule an ein Nestloch anklammert und hineinguckt, aber die alten Dohlen umflattern das Nest.
Der eine von den Waldhütern will sich bücken und einen Stein aufnehmen, aber der andre hält ihn zurück.
— Nein, laß das, Pist Lak! Bedenke, wie es „Vogel“ erging ... es bringt immer Unglück, wenn man eine Eule totschlägt.
Glip läßt sich nicht im mindesten stören. Mit der einen Klaue greift er in das Nest hinein, holt ein Junges heraus und fliegt damit zu Strix. Zehn Minuten später ist er wieder bei dem Nest — eine nach der andern holt er alle die jungen Dohlen.
Sie kamen durch einen Unglücksfall ums Leben — so etwas geschieht auch tagtäglich im Walde!
Auch die Stare verschont Glip nicht. In der Morgendämmerung läßt er sich auf dem Starenkasten nieder und pocht mit dem Schnabel gegen das Holzwerk. Dann glauben die Jungen, daß es die Starenmutter ist — sie stecken den Kopf heraus, und — wupp hat Glip sie im Nacken gefaßt.
Es gehört etwas dazu, um Strix mit dieser Art von Kost zu versorgen — aber nun ergibt sich das verlockende Ungeheuer auch wohl bald!
Strix wird kindisch; sie verwandelt sich mehr und mehr aus einem großen, gefürchteten Nachtraubvogel in einen hilflosen jungen Kuckuck, der Tag und Nacht gefüttert werden muß. Es wird Glip schwer, alle die kostbaren Liebesgaben zu beschaffen, er ist nahe daran zu ermüden — und läßt nach in seinem Eifer. Er greift nach allem, was ihm in den Weg kommt und bringt Frösche und Kröten statt warmer, leckerer Spatzen. Strix muß ihre schlimmsten Hungertage noch einmal durchleben und Eidechsen, Schlangen und kleine Kreuzottern fressen, ja, an einem warmen Abend wird ihr sogar eine dicke, schleimige Waldschnecke präsentiert.
Es wird Strix schwer, den schwarzen Kloß zu verschlucken, und sie rollt schrecklich mit den halbblinden, gleichsam verschimmelten Lichtern, obwohl sie ja nie im Leben ein Kostverächter gewesen ist.
Es ist leicht, das Ende vorauszusagen —: