Sie ist voll trockner Knorren und dicht nebeneinander sitzen sie, so daß er keinen Vorteil durch Klettern einbüßt, nein, er kann schleichen ... ganz bequem, als ginge es eine Treppe hinauf.
Und dann dort, wo der lange Schaft des Stammes allmählich irgendwo hoch oben unter den Wolken einen Besen bildet, ist die Tanne so zusammengefilzt, so dicht und nadelig, daß niemand, weder von oben noch von unten, einen Einblick hinein gewinnen kann. Eine kleine Lichtung in dem grünen Gewölbe, zu dem sich die Tanne emporreckt, erschließt den Krähen und Holztauben den nötigen Einflug.
In seine eigenen, tiefsinnigen Gedanken versunken, beginnt der alltäglich bekümmerte Taa seinen Aufstieg. Sein knurrender Magen hat unmöglich vergessen können, daß er vor mehr als achtzehn Stunden um einen kleinen leckern Akrobaten betrogen ist, für den die spähenden Lichter und der suchende Windfang ihm noch keinen Ersatz in Aussicht gestellt haben.
Seine Sprünge von einem Zweig zum andern auf dem Spaziergang hierher sind nur knapp bemessen gewesen; bei einer Gelegenheit ist er sogar hindurch geplumpst — bis hinab auf den Erdboden.
Er ist halbwegs müde und schlapp ...
Hin und wieder während des Aufbaumens streifen seine gierigen Lichter wohl einen großen Knorren oben an der Seite des Stammes; aber solche Knorren hat ja jeder zweite alte Baum, und die greisenhafte Tanne hier ist voll davon. Zum Überfluß kommt der Wind gerade von der verkehrten Seite; es zieht durch die Lichtung von unten herauf, wie durch einen Schornstein.
Als Taa bei dem Knorren angelangt ist, wird dieser plötzlich lebendig und fürchterlich zu schauen. Strix öffnet die Seher und zündet gleichsam Licht an, ein brandroter, phantastischer Schein schiebt sich über den Marder und hält ihn fest. Sein halb offener, arbeitstöhnender Rachen schließt sich und in seinen Blick kommt das Verschlagene und Verlegene, das ein Raubtier nicht zu unterdrücken vermag, wenn es sich einer groben Unachtsamkeit bewußt wird.
Aber Strix will hier keinen Kampf! Wohl haßt sie diesen schlauen und frechen Räuber — und kann sie ihn von hinten überfallen, die Fänge in seinen Rumpf schlagen und seinen starken Nacken in den Schraubstock ihrer Schneiden fangen — dann ist die Gelegenheit da. Aber nach offenem Kampf, wenn ihr der Hunger nicht in den Fängen kribbelt und sie unbändig macht, so daß sie gleichsam rufen: greif ihn und kröpf ihn! gelüstet es sie nicht.
Und Taa seinerseits wird sich schon hüten!
Es ist, als wenn diese beiden mordlustigen, ungefähr ebenbürtigen Gegner sich des Anlasses dieses Zusammentreffens wohl bewußt sind; kein Laut dringt aus ihren Kehlen. Der Uhu bläst sich nur auf und sträubt die Zauberhörner; der Marder schleicht von dannen wie eine begossene Katze.