Er ist nur ein kleiner Fuchs, ein Dieb, der sich auf Art der Diebe leicht erschrecken läßt. Sein Körper ist schlaff, die Gesichtshaut sitzt ihm in Falten, die Lefzen hängen herab und seine listigen Lichter haben einen eigenen melancholischen Ausdruck.

Er sieht so aus, als habe er an Nahrungssorgen gelitten — von der Art, die ihren Mann zeichnen und ihn engherzig und hohlwangig machen.

Der Fuchs ist abgelebt — das ist die Sache! Die Eckzähne im Unterkiefer sind bis auf die Höhe der Vorderzähne abgeschliffen, seine Krallen sind eckig und stumpf — er kann nicht mehr fangen.

So kommt es denn aus diesem Anlaß zu keiner Prügelei. „Das Gespenst“ ist standhaft; es hält sich Stunde auf Stunde in dem Bau, und so oft auch Reineke seine Nase hereinsteckt, bekommt er sie mit großen, perlenden Blutstropfen an der Spitze zurück. Schließlich ist die Sache entschieden; der Bau ist besetzt, Strix wohnt da!

Und dann geht Reinecke durch die Hintertür.

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Eine lange Zeit behält Strix ihre Wohnung hier bei dem Heidefuchs, sie sitzt warm in seinem Bau, in Schutz vor Regen und Sturm und geschützt gegen das blendende Tageslicht.

Wenn der Fuchs nach Hause kommt und seine Einquartierung vergessen hat, wenn er sich in der Tür irrt und durch den Haupteingang geht, wie er es sonst immer gewohnt gewesen ist, bläst Strix sich auf und versetzt ihm einen Hieb mit einem ihrer Fänge ... das hilft dann seinem Gedächtnis für eine Woche auf.

Auf der Heide findet Strix Ruhe — der Kampf um ihre Ernährung fordert alle ihre Kräfte.

Sie fängt Regenpfeifer und junge Kuckucks und Brachvögel, wenn sie im August kommen und sich in dem Maße mit Heidelbeeren mästen, daß ihr Bürzel ganz schwarz davon wird. Sie fängt Stachelschweine und frißt sie mit Haut und Haar, und ohne Rücksicht auf die scharfen Stacheln zu nehmen. Sie nimmt auch Fische und Kreuzottern und Nattern. Und wenn der Tag zur Rüste geht und die Sonne hinter den Hügeln versinkt, wenn der Sommerwind sich legt und alles so wunderbar kühl wird, wenn die Blumen nach des Tages Arbeit ihren starken Duft ausatmen und der Schlaf sich schwer über die Landschaft legt, dann fliegt sie umher nach den fernen, einsam gelegenen Höfen und fängt ihre leckerste Speise.