Der Leuchtturmwärter spitzte die Ohren.
Aus seiner Kindheit draußen im Waldwärterhause dicht vor den Hochwäldern war er gar wohl bekannt mit der Musik des großen Uhus ... sollte es möglich sein, dachte er, lebte wirklich noch eine von den großen Bubos, und zwar so nahe an seinem Gebiet! Das mußte ein Zugvogel sein, einer aus dem nördlichen Skandinavien, der auf seiner Winterreise hierher verschlagen war ...
Und Vogelhansens alte Leidenschaft stieg mit einem Brausen in ihm auf ...
Im nächsten Augenblick gaukelte er sich vor, daß, wenn da ein Vogel sei, auch zweie da sein müßten ... es erging dem großen Uhu wohl so, wie man sich von der Bekassine erzählte, daß sie nie allein liegt. Dann konnte er am Ende wieder ein Gelege Eier bekommen oder eine Brut Junge fangen; alles Einheimische von der Art stand jetzt fabelhaft hoch im Preise!
Es erging ihm fast so wie der Frau mit dem Milchtopf, aber dann besann er sich — nun, er mußte ja erst einmal sehen!
Eine Eule mußte auf alle Fälle da sein — und wenn die nur da war, hatte er auch sichere Hoffnung auf einen guten Gewinst. Der große Uhu war immer zu verkaufen, wenn man ihn nur, tot oder lebend, in Händen hatte.
Der kleine Leuchtturmwärter hatte sich freilich Zeit seines Lebens Jäger genannt, aber es war nicht mehr vom Jäger in ihm als auf dem Rücken einer Hand Platz hat. Er war „Schießer“ schlecht und recht, er schoß nur für den Kochtopf und für die Tasche — und am liebsten für die letztere! Denn das, was da hinein kam, konnte verkauft und in geliebtes Geld umgesetzt werden!
Er war ein Aasjäger, wie er sein Leben lang ein Nesträuber gewesen war; aber den Trost hatte er, daß leidenschaftliche Sammler und andre brave Männer, die Schulen und Museen mit Vertretern der Fauna des Landes versorgten, sein Treiben in Briefen oft eine „sehr gemeinnützige Tat“ genannt hatten.
Nun war er bejahrt und nicht mehr imstande, in eine Buche hinauf zu klettern; aber das konnte auch einerlei sein, es gab nichts mehr, was sich des Hinaufkletterns verlohnte. Schon seit Jahr und Tag hatten ihn die Verhältnisse gezwungen, damit aufzuhören.
Um so eifriger brauchte er nun die Flinte! Die Flinte war der lange Arm, womit er noch etwas an sich raffen und einem steifen Rücken und einem stocklahmen Bein abhelfen konnte.